getto en kamp
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Draußen steht eine Bange Nacht

Gedichte und Lieder aus Konzentrationslagern

Frankfurt am Main 1994 (Fischer)



Hermann Adler

Was geschieht, heisst bald -Legende!

 

Ausgedörrt sind die Gestalten, die dort in Treblinka stehen,

und Minuten vor dem Gastod fiebernd noch um Wasser flehen.

Doch die rohen Söldner lachen überlaut im Übermute:

»Wenn du durstig bist, komm her dann! Reichlich sollst du

trinken, Jude!

Jude, komm und sauf die Jauche dort aus der Latrinengrube,

durch den Duft gewöhnst du dich dann an die Luft der

Giftgasstube!«

 

In den Schrei gequälter Menge kreischen laut Orchesterklänge,

laut und laut und immer lauter. Und doch können die Gesänge

aus der Stadt des Todes niemals das Gewissen übertönen! Mancher darf jetzt Gott verfluchen und selbst Sterbende

verhöhnen,

morden, morden stets aufs Neue. Aus Gewohnheit oder Reue

höre er sein ganzes Leben Blechmusik -und Todesschreie!

 

...Alle müssen sich entkleiden! Männer zittern, Frauen

jammern,

und schon treibt man ein paar Tausend in die leeren

Giftgaskammern.

Sechsminutenlanges Schreien gellt ins Ohr dann ungeheuer,

und die todgeätzten Klumpen wirft das Rollband in das Feuer...

Freiheitsfahnen werden wehen... Aber nach der

Schicksalswende

wird man nicht die Toten sehen. Was geschieht, heisst bald Legende!

 

[Warschauer Ghetto 1943]

 


Hermann Adler

„...Liebe den Nächsten wie dich! «

 

Hundert Versteckte sind wir und noch mehr,

und die Soldaten rumoren und suchen,

sprengen die Tore und toben und fluchen

nächtlich im Haus, doch das Haus ist wie leer...

Tausende treten den Todesweg an,

Tausende, die sich aufs Glück nur verließen,

wird man noch heute im Ghetto erschießen.

Wer sich versteckt hält, kommt morgen dran!

 

...Atmet nicht und flüstert nicht,

draußen stehn Soldaten,

und wer auch ganz leise spricht,

der wird uns verraten!

 

Unser Versteck wird zum Glück nicht gesehn;

plötzlich -beginnt laut ein Knabe zu weinen!

Aber es dürfen doch wegen des einen

heute nicht alle den Todesweg gehn!

Und nur die Mutter erkennt das Gebot

dieser Minute und tötet den Knaben

blutenden Herzens. Wir alle dann gaben

stumm ihr die Hand, und sie floh in den Tod!

 

...Atmet nicht und flüstert nicht,

draußen stehn Soldaten,

und wer auch ganz leise spricht,

der wird uns verraten!

 

[Wilnaer Ghetto 1942]

 


 H.G.Adler

Nachtgesang unter der Erde

 

Urwelt der Träume...

O über mich!

Ausgeschüttet

Über mich Armen,

Der ich verlassen

Wankend stehe

im Nacht-Gedächtnis

Dieser verwirkten Welt

In erstarrt -erstarrender Wirklichkeit!

 

Wie lange noch

Muss ich dies tragen?

Wie lang?

Da ich doch ohne Schuld,

Oder Schweigen und Dulden

Die einzige Schuld!

 

Ängste zermartern

Mein Gedächtnis

Vernichtend mit Hunger und Frost.

Darf ich leben?

Schicksal,

Darf ich noch leben?

 

Mich tötet die Hoffnung,

Schier tötet sie mich,

Wenn ich des Gottes gedenke...

Gottes

O, über mich Armen!

Gottes -in Wirklichkeit, 35

Dunkel---

Gottes -in der Urwelt der Träume,

Voll Licht!

O-Gott! !!

 

[Langenstein 1945]

 


Rosebery d'Arguto

Jüdischer Todessang

 

Bom bom bom bom bom bom bom bom ...

bom bom bom bom bom... bom... bom .

Li-Iaj li-Iaj li ... li-Iaj

la-Ia-la...

li-Iaj li-Iaj li ... li ... laj...

Bom bom bom bom bom bom bom bom...

bombombombom bom...bom...

 

Zehn Brüder waren wir gewesen,

haben wir gehandelt mit Wein...

Einer ist gestorben –

Sind wir geblieben neun.

O-joj! ... Oj-joj !'"

 

Jidl mit der Fiedel, Mojschje mit dem Bass,

singt mir mal ein Liedel

müssen wir ins Gas! ...

 Jidl mit der Fiedel, Mojschje mit dem Bass,

singt mir mal ein Liedel, Liedel ...

Müssen wir ins Gas! ...

ins Gas! .

Ins Gas!...

Bom bom bom bom... bom bom bom bom...

 

Ein Bruder bin ich nur geblieben;

mit wem soll ich nun weinen?

Die and'ren sind ermordet!

Denkt ihr an alle neun? !

 

O-joj! ... Oj-joj! ...

 

Jidl mit der Fiedel, Mojschje mit dem Bass,

Hört mein letztes Liedel,

ich muss auch ins Gas!

Jidl mit der Fiedel, Mojschje mit dem Bass,

hört mein letztes Liedel. ..

 

.. .Zehn Brüder waren wir gewesen,  

wir haben keinem weh getan...

 

Li-laj, li-laj li ... li-laj, la-la

 

-Alles raus! !...

 

Bearbeitung von Text und Musik: Rosebery d'Arguto

Musik: Trad. ,Tsen Briden

 

[Sachsenhausen 1942]

 


Der Todestango

 

Hörst du, wie die Geige schluchzend spielt?  

Blutig klingen ihre Töne.

Hörst du, wie dein Herz sein Ende fühlt,

den Todestango spielt?

Hab' keine Angst, mein Lieb' ...

Sand wird deine Leiche decken,

Sternenkerze dient als Brenner und als Polster dient dir nur ein Stein

doch glücklich wirst du sein so ganz allein.

 

Schüsse fallen, Kugel knallen.

Segregieren! Gift! Nur spielen! ...

Und der Tod packt dich in die Hand,

drum sei fertig und bereit.

 

Autor unbekannt

Musik: Eduardo Bianco

 

[Janów-Lager 1942]

 


Ilse Blumenthal-Weiss

Für Peter David Blumenthal

(ermordet 1941 in Mauthausen)

 

Sa wandre ich durch tausend Marterzellen

und pflücke tausend Schmerzen van den Wänden.

Und tausend Träume, die die Nacht umstellen,

sie stehen auf aus tausend Bilder-Bänden:

 

In jeder Ecke klingt noch deine Stimme.

In jedem Lufthauch echot noch dein Lachen.

Und jeder Lichtstreif, der den Raum erhellt,

ist wie ein Abglanz deiner Strahlenaugen.

Tot bist du? -Tot. -Ich muss es langsam lernen,

dass man das Licht so ganz zerstören kann.

 

Ich muss es lernen, ohne dich zu leben.

Dass dieses Wort, dass dieses eine Wort

dich meint, dich, junges Kinderblut,

dich: Jubel! Jauchzen! Jugend! Übermut!

G0tt hat genommen. Einst hat Gott gegeben.

Ich muss es lernen, ohne dich zu leben.

 

[Theresienstadt 1945]

 


Ilse Blumenthal-Weiss

Häftlinge

 

Hunger und Angst. Hunger und Angst

Trümmern den Schädel ein.

Hunger und Angst. Hunger und Angst

Höckern das Herz zu Stein.

 

Hunger und Angst. Hunger und Angst

brechen Knochen und Glieder.

Hunger und Angst. Hunger und Angst

trampeln den Nächsten nieder.

 

Brot rettet mich,

Brot tötet dich,

Brot, das du deinem Bruder entrangst

 vor Hunger und Angst.

 

[Theresienstadt 1945]

 


Joseph Drexel

Krieg

 

Von fremden Winden

Schauert das Schilf.

Die Wasser schweigen.

Verlernt hat Menschenmund

Die alten Psalter der Liebe.

 

Ferne im Schatten der Nacht schon

Wandert der Menschen Letztes schuldloses Paar

Ins Elend.

Rauch steigt

Von zerschlagener Stätte.

Von geborstener Schwelle

Tropft vergossenes Blut.

An brandiger Mauer

Kichert die Distel,

Des Wahnsinns heilige Blume.

 

[Mauthausen; geschrieben nach dem 20. 7. 1944]

 


Hasso Grabner

Die Häftlingsnummer

 

Sie möchten gern, dass sie den Menschen lösche

Und seinen Namen ins Vergessen trägt,

Verlorner Ruf, der keinen Hall erregt,

Ein grauer Strich auf einer grauen Fläche.

 

Ein windverwehtes Nichts in seiner Schwäche,

Vom Leben als Karteiblatt abgelegt,

Ein Schatten, wo sich sonst ein Herz bewegt,

Damit das Herz an dieser Zahl zerbreche.

 

Nichts kann dem dunklen Wollen Sieg verleihn.

Es nimmt die Nummer jeden an die Hand,

Als einer großen Kette dienend Glied,

Als voller Ton in unserm hohen Lied,

Das Millionen unzertrennbar band,

Das Lied: Ich war, ich bin, ich werde sein!

 

[Buchenwald. September 1938]

 


Maria Günzel

Leid und Trost

 

Unendlich

Einsam sind

die wahrhaft

Sehnenden.

Unendlich

einsam sind

die wahrhaft

Liebenden.

Unendlich

einsam sind

die wahrhaft

Denkenden.

Sie sind

Kein Heer,

gehen

einzeln einher.

 Sind bedrückt

Vor der Zeit

Und gebeugt

 Vom Leid

der ganzen

Menschheit.

Aber sie sind

rein

wie die Quelle,

die rieselt und rinnt.

Und sie sind

wie

wärmende Helle,

die Sonne uns bringt

nach schauriger Nacht.

Und

sie sind!

und

werden sein!

und

wieder voran

der Menschheit gehen

 und sicher sie geleiten

durch bewegte Zeiten.

Werden Kraft ihr leihn

und ihr Hilfe sein

und der Wunden Brand

mit liebender Hand

stillen und heilen.

O lasst sie

nicht länger mehr

einsam sein!

Lasst sie

in Eure Reihn!

Lasst sie

eure Führer sein!

Die Sehnenden,

Liebenden,

Denkenden!

Sie sind

die zum Guten

Lenkenden!

 

[Ravensbrück]

 


E.H.

Ich träume im Lager

 

Ich träume im Lager

ganz traurig und grau,

da geht meine Jugend vorbei,

Was hab' (ich) euch allen,

was hab' ich getan? Oh, Mutti, wann siehst du mich frei?

Ich darf doch nirgendshin

und niemals mit dir gehn,

mein Lieber, mein Liebling

aus Märchen, mein Schatz,

wann kommst (du) mal wieder

zu mir?

 

Verfasser unbekannt

Melodie: Es steht eine Mühle im Schwarzwald im Tal

[Ravensbrück 1944]

 


Franz Hackel

Buchenwald

 

Kein Vogel pfeift

Im toten Wald;

Und Nebel streift,

durchnässt und kalt.

Die Nacht ist blind;

Der Tag ist grau.

Wo ist ein Kind,

wo eine Frau?

 

In schwarzen Buchen

Heult und höhnt der Wind…

 

Um Weimars Hügel tanzt der Schnee im Sturm.

Es grinst der schwarze Tod vom Wächterturm.

 

Zwölftausend Männer frieren beim Appell;

Im Mikrophon lärmt eine Stimme grell.

 

Zwölftausend Männern bellt der Ruf ins Ohr:

Sofort die Leichenträger an das Tor!

 

Um kahle Schädel tobt der Wintersturm.

Es grinst der schwarze Tod vom Wächterturm.

 

Kein Mitleid fällt uns an.

Woher auch Tränen nehmen

Auf diesem Berg,

in dieser Zeit?

 

Um dunkle Buchen

Kahl wie Besen,

treibt der Sturm

Nebelfetzen.

 

Beim Appell werden Nummern verlesen,

keine Namen.

Und wer am Morgen noch da war –

Ist am Abend vielleicht schon

Vergessen, gewesen.

 

Von diesem heisst es:

Ging über den Rost;

Von jenem:

Im Steinbruch erschossen.

 

Kumpel, Genossen!

Wir sind vergessene Leute

Eine Stunde von Weimar –

In diesem heroischen Heute.

 

[Buchenwald 1941]

 


Hermann Hakel

Nebel

 

Tränen, die ich nicht mehr wein,

die im Blick mir stocken,

starren aus den Fensterreihn

grau und toderschrocken.

 

Seufzer, die ich nicht mehr hauch,

die im Hals mir schäumen,

hängen als ein brauner Rauch

in den toten Bäumen.

 

Kälte, die mich nicht mehr friert,

Kraft, die ich begraben,

stürmt in Wolken, rebelliert

im Geschrei der Raben.

 

Ach, wohin? Ins Totenreich

 sind wir hier geraten,

Schatten, die dem Nebel gleich

durch den Nebel waten.

 

[Unbekanntes KZ]

 


Heinz Hentschke

Gelungene Flucht

 

„Hei geiht...“

 Schrieb Fitche auf seinen Kaffeepott und dann,

Dann war er im dichten Nebel verschwunden,

Spurlos verschwunden im Gelände.

 

Häscher suchten ihn,

Durchstöberten das Lager;

Das gesamte Moor wurde abgesucht,

Auch das übrige Deutschland.

 

Sie haben ihn nie gefunden.

Er blieb verschwunden.

 

Kamerad,

Wir indessen,

Stehen wegen deiner Flucht

Zum Dauer-Appell angetreten:

Einen Tag, eine Nacht

Und bis zum anderen Morgen...

 

Zur Strafe dafür,

Dass du erfolgreich

Durch den Draht

Und durch den Nebel bist entkommen !

 

Nein,

Wir sind dir nicht böse,

Kamerad!

 

[in den Emslandlagern zwischen 1942 und 1944 entstanden]

 


Georg Kafka

Segen der Nacht

 

Ich bin, Geliebte, Gottes schmaler Spiegel,

In den er blickt, eh' er zur Ruhe geht.

Mein Herz ist seines Ringes rotes Siegel,

Das er dem Abend aufprägt, eh' er ganz verweht.

 

Ich bin, Geliebte, Gottes Silberschale,

Aus der er oft des Schlummers Rotwein trinkt,

Von deren tiefem Grunde wie aus einem Tale

Des bleichen Monds das Lied der Schwermut klingt.

 

Ich war, Geliebte, Gottes stummer Spiegel.

Nun sing ich in der Ferne leise Lieder

Zur Laute dir, wenn rings die Sterne steigen.

 

Mein Herz war Gottes abendrotes Siegel.

Nun spricht er zu mir aus der Sterne Schweigen:

„in meinem Garten sehet ihr euch wieder...«

 

[Theresienstadt 1943]

 


Kurt Kapper

Was kommt denn noch?

 

Und wir begreifen unsere Schritte kaum,

Wenn wir durch diese langen Gänge gehn,

Wir können diese Welt noch nicht verstehn

Und hängen tastend zwischen Zeit und Raum.

 

Wir sehen Steine nur und keinen Baum,

Denn während wir in diese Höfe spähn,

Scheint unser Denken völlig still zu stehn,

Als lebten wir in einem wachen Traum.

 

Was kommt denn noch? Ist es noch nicht genug?

Wer hat uns denn in diesen Kreis verbannt?

Wir haben solches Suchen nie gekannt.

 

Und zagen Scheu vor jedem Atemzug.

Das ist doch Traum! Das ist doch Selbstbetrug!

Und unbegreiflich quält sich der Verstand.

 

[Theresienstadt 1943]

 


Alfred Kittner

Friedhof Obodowka

Für Immanuel Weissglas

 

Dies ist ein finstrer Zeitvertreib,

Die Hunde abzuwehren,

Sie balgen sich um deinen Leib

Und wollen ihn verzehren.

 

Sie haben deiner Schwester schon

Die Füße angebissen

Und deinen nackten toten Sohn

In Stücke bald gerissen.

 

Wie du im Frost liegst, jung und weiss,

Scheinst du dich noch m regen;

Mit eigner Hand im Wintereis

Wollt ich zu Grab dich legen!

 

Doch morgen musst im Massengrab

Du modern mit den, andern.

Wer kam nicht gern zu dir hinab,

Statt von hier fortzuwandern?

 

[Lager Obodowka, Oktober 1943]

 


Alfred Kittner

Unterwegs

 

Als es in Strömen auf uns goss,

Im Grunde war es einerlei,

Trieb man mit Prügeln unsern Tross :

Nun birgt des Stalles Stroh uns zwei.

Vor mir bezogst du hier Quartier

Und liegst verwesend unter mir.

Weht Leichenruch auch durch den Raum,

Er schreckt mich nicht aus dumpfem Traum.

 

Den Lausen warst du bald zu kalt,

Im Grunde ist es einerlei,

Du warst kein guter Aufenthalt,

Und schließlich sind wir hier doch zwei.

Drum kriechen sie zu mir herüber

Und bringen mir das schlimme Fieber,

Dem du vor Tagen hier im Mist

Des lehmigen Stalls erlegen bist.

 

Du, Liebste, starbst ; ich lebe noch,

Im Grunde ist es einerlei.

Auch ich pfeif auf dem letzten Loch,

Und morgen schaufelt man uns zwei

Mit Hunderten ins Massengrab,

Zusammen wirft man uns hinab,

Lasst ohne vieles Federlesen

Uns bis zum Jüngsten Tag verwesen.

 

[Stall Tschetwertenowka, Oktober 1942]

 


Ruth Klüger

Der Kamin

Meiner Freundin Hannah Ungar

 

Täglich hinter den Baracken

Seh ich Rauch und Feuer stehn,

Jude, beuge deinen Nacken,

Keiner hier kann dem entgehn.

Siehst du in dem Rauche nicht

Ein verzerrtes Angesicht?

Ruft es nicht voll Spott und Hohn:

FünfMillionen berg' ich schon.

Auschwitz liegt in seiner Hand

Alles, alles wird verbrannt.

 

Täglich hinterm Stacheldraht

Steigt die Sonne purpurn auf.

Doch ihr Licht wirkt öd und fad,

Bricht die andre Flamme auf.

Denn das warme Lebenslicht

Gilt in Auschwitz längst schon nicht.

Blick zur roten Flamme hin,

Einzig wahr ist der Kamin.

Auschwitz liegt in seiner Hand

Alles, alles wird verbrannt.

 

[Auschwitz 1944]

 


Edgar Kupfer-Koberwitz

Typhus

 

1943

Er schleicht durch das Lager und haucht dich an,

sein Kuss lässt die Stirne erglühn. -

Hüt dich vor ihm, ja hüte dich, Mann,

 ich sah den Tod mit ihm ziehn!

 

Der Typhus kam -wie Gewitter hing

er über dem Lager her. –

Und als der Typhus wieder ging,

 waren 200 Betten ---leer.

 

1945

Er schleicht durch das Lager und haucht dich an,

sein Kuss lässt die Stirne erglühn. -

Hüt dich vor ihm, ja hüte dich, Mann,

 ich sah den Tod mit ihm ziehn!

 

Der Typhus kam -wie Gewitter hing

er über dem Lager her. –

Und als der Typhus wieder ging,

waren 12000 Betten---Ieer.

 

[Dachau]

 


Edgar Kupfer-Koberwitz

Der Marterpfahl

 

„Baum“ nennen sie jenen Marterpfahl,

dran hilflos das Opfer hangt,

die Arme hinten, zu größerer Qual,

hängt er so herab vom Marterpfahl,

Kopf und die Stirne gesenkt. –

 

Des Körpers schweres, ganzes Gewicht

zerrt an dem verrenkten Arm,

Schweiß rinnt herab, bedeckt das Gesicht -

der SS-Mann grinst dazu und spricht

»Na, Hund, wird's dir endlich warm?“

 

Der Schweiß rinnt in Strömen, rinnt und rinnt;

es schmerzt, dass viele laut schrein,

wie Tiere, die am Verenden sind -

die Schmerzen machen sie toll und blind,

sie können nur stöhnend schrein. –

 

Und die Folter dauert in Ewigkeit ; -

der SS-Mann raucht vergnügt. -

Wer ermisst diese lange Spanne Zeit? -

Eine Stunde - zwei Stunden - Ewigkeit -

es scheint, dass das Zifferblatt lügt. –

 

Wenn einem die Sinne geschwunden sind,

sein Kopf auf die Brust ihm bricht,

sieht es der SS-Mann, stürzt hin geschwind,

schlagt ihm die Faust ins Gesicht -

und er zerrt an dem Körper und schaukelt ihn,

freut sich, wenn ihn neue Schmerzen durchglühn -

das heií3t in Dachau : »Gericht“-

 

Wenn von den Händen die Stricke gelöst,

so sinken sie schlaff herab -

sie sind wie gestorben, nicht wie erlöst,

und man fühlt es nicht, wenn man an sie stößt -

ganz fremd hangen sie herab. –

 

Zehntausende hingen am Marterpfahl,

zehntausend litten die grässliche Qual,

zehntausend schrien gequält wie ein Tier,

Zehntausende hassten die Welt dafür.. . -

die Welt? - O nein, Deutschland hassten sie nur,

höhnten: „Das also ist Deutschlands Kultur?“

Und sie spien hoch im Bogen aus

auf das, was einstens ihr Vaterhaus:

auf Deutschland. –

 

[Dachau]

 


Edgar Kupfer-Koberwitz

Kette der Tage

 

Und ein jeder

Tag ist so grau und trüb

und ein jeder Tag schleicht dahin

die Tage rinnen, wie Wasser durchs Sieb,

stehlen sich fort wie ein trauriger Dieb,

kaum bleibt uns ein Rest noch von Sinn. –

 

Und ein jeder Tag löscht uns etwas aus,

einen Funken in unserer Brust-

Wir sagen nur noch: „die Liebe -das Haus«

doch es klingt nicht echt, das Echo bleibt aus,

wir empfinden nicht mehr die Lust. –

 

Ein jeder Tag macht uns stumpfer und matt,

Gefühle verdorren im Herz

man fühlt nur noch, ob der Magen auch satt,

ob heut man noch Kraft zum Ertragen hat,

und wir halten Rohheit für Scherz. –

 

So stampft jeder Tag unser Ich zur Form,

zum nichtssagenden Dutzendstück...

jeder wird ein Häftling von gleicher Norm,

auch die Seele trägt eine Uniform,

nichts fühlend, nicht Leid mehr noch Glück.

 

Die Tage fallen, wie Hämmer so schwer

und schmieden uns nützlich und platt

es sind schon zu viel und werden noch mehr,

die Tage sind grau, sind öd und sind leer

dem, der ein Fühlen noch hat.

 

Und wenn diese Tage verronnen sind,

dann wird, wer sie übersteht,

einsam und still ragen, ein Baum im Wind,

der Welt ganz fremd sein, ein Waisenkind,

an dem scheu vorüber man geht. –

 

Denn draußen wird keiner uns ganz verstehn,

erkennen wird niemand, warum

wir so ganz verändert die Welt ansehn,

warum so andere Schritte wir gehn:

unsre Seele würd lahm und krumm.

 

Die Tage haben uns „Gestern« geraubt

und die Tage nehmen das „Heut«

es war einmal, dass wir Andern geglaubt,

dass wir Ehrfurcht hatten vor weißem Haupt

und dass wir uns herzlich gefreut. –

 

Da werden wir sagen: „Die Welt ist dumm,

sie kann uns nicht mehr verstehn.«

Wir werden nicht fragen: wieso, warum?

werden allein sein und eben darum

tiefer in Einsamkeit gehn.

 

[Dachau]

 


Karl Schnog

Nackte Aussage

 

Ich habe so tief im Elend gesteckt,

Ich schien verloren, verkommen, verdreckt.

Gejagt ward ich und gepeinigt.

Erst, wenn ich sage, was ich sah,

Erst wenn ich schreibe, was geschah

Bin ich vom Schmutz gereinigt.

 

[Im April 1945, kurz nach der Befreiung, aber noch auf dem Gelände des KZ Buchenwald geschrieben]

 


Karl Schnog

Der Steinbruch

 

Eine Landschaft, wie am Schöpfungstage:

Sand und Steine, Büsche. Und sonst nichts.

Graue Gräser. Schreie wilder Klage.

Ort des Grauens, Tal des Weltgerichts.

 

Müde Füße, abgewetzte Treppen.

Alles jagt und hastet, keucht und rennt.

Schleppen -Schleppen -Schleppen -Schleppen.

Und erbarmungslos die Sonne brennt.

 

Schläge klatschen, Menschen fallen nieder.

Wolken Staubes und dazwischen Blut.

Fallen -Tragen. Immer, immer wieder.

Schmerzensschreie, Schreie wilder Wut.

 

Doch der Tag der Freiheit kommt für jeden.

Kamerad im Steinbruch, bist noch Knecht.

Einmal werden Steine für dich reden.

Wird der Steinbruch einst an dir gerächt? …

 

[Buchenwald 1944]

 


Erika Taube

Ich möchte gerne...

 

Ich möchte gerne wieder lauschen dem Rauschen

des Zuges, der mich in die Ferne bringt,

der Schiene, die die Weise singt

von Ferne, so gerne.

Ich möchte gerne wieder Mensch sein

und ganz allein

mit dir auf einem Fleckchen stehn,

den Himmel, Mond und Sterne sehn

hinter den Stangen -und nicht gefangen.

 

[Theresienstadt zwischen 1941 und 1944]

 


Ilse Weber

Ich wandre durch Theresienstadt

 

Ich wandre durch Theresienstadt,

das Herz so schwer wie Blei.

Bis jäh' mein Weg ein Ende hat,

dort knapp an der Bastei.

 

Dort bleib' ich auf der Brücke steh'n

und schau' in'sTal hinaus:

Ich möcht' so gerne weiter geh'n,

ich möcht' so gern -nach Haus!

 

„Nach Haus! « -du wunderbares Wort,

du machst das Herz mir schwer.

Man nahm mir mein Zuhause fort,

nun hab ich keines mehr.

 

Ich wende mich betrübt und matt,

so schwer wird mir dabei:

Theresienstadt, Theresienstadt,

wann wohl das Leid ein Ende hat,

wann sind wir wieder frei?

 

[Theresienstadt]

 


Ilse Weber

Tor der Magdeburger Kaserne

 

Es gibt ein Märchen aus uralter Zeit

von einer Prinzessin, die Mühsal und Leid

und seltsames Schicksal erlitten.

Die sprach mit ihres Rosses Haupt,

sooft sie arm und vom Wege bestaubt

das dunkle Tor durchschritten:

„Oh, Fallada, da Du hangest.«

 

Wie die arme Prinzessin komm' ich mir vor,

durchschreite ich müde das alte Tor

der Magdeburger Kaserne.

Dort hängt ein verwittertes Pferdehaupt,

und geh' ich vorbei, aller Freude beraubt,

dann scheint mir, als hörte ich van Ferne:

„Oh, Jungfrau, da Du gangest.«

 

Du altes Tor in Theresienstadt,

wie bin ich vom Wege so krank und matt,

den meine Füße gingen.

Ich schlug mich wund an manchem Stein,

es blutet mein Herz und zuckt voller Pein.

Und oft, ach so hört ich's klingen:

„Wenn das Deine Mutter wüsst',

das Herz im Leib müsst' ihr zerspringen.«

 


Charlotte Delbo

Essayez de regarder, essayez pour voir

 

Un cadavre. L'œil mangé par un rat. L'autre

œil ouvert avec sa frange de cils.

Essayez de regarder. Essayez pour voir.

 

Un homme qui ne peut plus suivre. Le chien le

saisit au fondement. L'homme ne s'arrête pas. Il

marche avec le chien qui marche derrière lui sur

deux pattes, la gueule au fondement de l'homme.

L'homme marche. Il n'a pas poussé un cri. Le sang

marque les rayures du pantalon. De l'intérieur,

une tache qui s'élargit comme sur du buvard. L'homme

marche avec les crocs du chien dans la chair.

Essayez de regarder. Essayez pour voir.

 

Une femme que deux tirent par les bras. Une juive.

Elle ne veut pas aller au 25. Les deux la traînent.

Elle résiste. Ses genoux radent le sol. Son vêtement

tiré aux manches remonte sur le cou. Le pantalon dé-

fait -un pantalon d'homme -traîne derrière elle, à

l'envers, retenu aux chevilles. Une grenouille dépouillée.

Les reins nus, les fesses avec des trous de maigreur, sa-

les de sang et de sanie.

Essayez de regarder. Essayez pour voir.

 

[Auschwitz]

 

Charlotte Delbo

Versucht hinzuschauen, versucht zu sehen

 

Eine Leiche. Ein Auge von einer Ratte verspeist.

Das andre Auge offen mit seinem Wimpernsaum.

Versucht hinzuschauen. Versucht zu sehen.

 

Ein Mann, der nicht mehr nachkommt. Der Hund packt ihn

von hinten. Der Mann bleibt nicht stehen. Er geht, mit

dem Hund hinter sich, der Hund auf zwei Pfoten, das

Maul im Gesäß des Mannes. Der Mann geht. Er hat keinen

 Laut von sich gegeben. Das Blut zeichnet die Streifen

 der Hose nach. Von innen breitet sich ein Fleck aus wie

auf Löschpapier. Der Mann geht, mit den Fängen des Hunds

im Fleisch.

Versucht hinzuschauen. Versucht zu sehen.

 

Eine Frau, von zwei andern an den Armen gezogen. Eine Jüdin.

Sie will nicht nach 25. Die beiden zerren sie. Sie wehrt sich.

Ihre Knie streifen den Boden. Ihr Kleid,

an den Ärmeln gezogen, rutscht ihr über den Kopf. Die

kaputte Hose -eine Männerhose -schleift hinter ihr her,

verdreht, festgehalten von den Fußknöcheln. Ein gehäuteter

Frosch. Die Hüften entblößt, das Gesäß voller Hungerlöcher,

schmutzig von Blut und Eiter.

Versucht hinzuschauen. Versucht zu sehen.

 

[Auschwitz]

 


Fania Fénélon

Dans le désert glacé

 

Dans le désert glacé de la mort

Lentement nous allions vers le nord

L'un à l'autre enchaînés

Nous allions sur le chemin

De nos lendemains

Nos épaules sous le froid courbées

Bien souvent gémis soient sous le fouet

Les hommes sur les routes mouraient

En pleurant les femmes se signaient.

 

Refrain:

Oh liberté que de larmes

Que de sang dans tes combats

Mais tu entretiens la flamme

Qui demain triomphera

Liberté que de souffrance

Lorsqu'on l'arrache à nos cœurs

Mais avec toi que d'espérance

 Que d'amour et de bonheur.

 

Dans le désert glacé de la nuit

Lentement nous avencions sans bruit

L'un à l'autre enchaînés

Nous allions sur le chemin

De nos lendemains

Qu'on entende dans le bruit du vent

Notre chant qui s'élève en grondant

C'est celui que là-bas on chantait

C'est celui pour lequel on mourait.

 

Refrain:

Oh liberté.

 

Musik: Pierre Olivier

 

[Auschwitz-Birkenau]

 

Fania Fénélon

In der eisigen Wüste

 

In der eisigen Wüste des Todes

Zogen wir langsam gen Norden

Einer an den andern gekettet

Gingen wir auf dem Pfad

Unseres morgen

Unsere Schultern, von der Kälte gebeugt

Stöhnten unter den Peitschenhieben

Auf den Straßen starben Männer

Weinend bekreuzigten sich die Frauen.

 

Refrain:

Oh Freiheit –wie viel Tränen

Wie viel Blut in deinen Kämpfen

Du aber erhältst die Flamme

Die morgen triumphiert

Freiheit -wie viel Leiden

Da man dich von unseren Herzen reißt

Doch mit dir wie viel Hoffnung

Wie viel Liebe und Glück.

 

In der eisigen Wüste der Nacht

Schleppten wir uns lautlos voran

Einer an den andern gekettet

Gingen wir auf dem Pfad

Unseres morgen

Hört doch im Wehen des Windes

Unser Lied, das sich klagend erhebt

Jenes Lied, das man dort sang

Jenes Lied, für das man starb.

 

Refrain:

Oh Freiheit. ..

 

Musik: Pierre Olivier

 

[Auschwitz-Birkenau]

 


Fania Fénélon

Bombardiers Mort à Bergen-Belsen

 

Trois morts sur la terre

Un jaune, un noir, un blanc

Un grand trou dans la terre, un grand trou noir

Un trou noir, entonnoir.

 

Un moineau sur une branche

Se déhanche

Et chante

Les feuilles sur la branche

Se balancent

Et le moineau danse

Danse chante

Chante et ne comprend pas le pourquoi

Ni le comment

Ni l'avion là-bas ...

Le gros moineau noir!

 

Trois morts sur la terre

Un jaune, un noir, un blanc

Un grand trou dans la terre, un grand trou noir

Un trou noir, entonnoir.

 

Les feuilles sur la branche

Se balancent

Et le moineau danse

Chante et se déhanche

 

Trois morts sur la terre

Un jaune un noir un blanc

Un grand trou dans la terre un grand trou noir

Un trou noir, entonnoir

Trois morts sur la terre

Qu'on ne connait pas...

Un jaune un blanc un noir.

 

[Bergen-Belsen]

 

Fania Fénélon

Bomber Tod in Bergen-Belsen

 

Drei Tote auf der Erde

Ein Gelber, ein Schwarzer, ein Weißer

Ein großes Loch in der Erde, ein großes schwarzes Loch

Ein schwarzes Loch, ein Trichter.

 

Ein Sperling auf einem Ast

Schaukelt

Und singt

Die Blätter auf dem Ast

Wiegen sich

Und der Sperling tanzt

Tanzt und singt

Singt und versteht nicht warum

Noch wieso

Noch das Flugzeug da unten ...

Den großen schwarzen Spatz!

 

Drei Tote auf der Erde

Ein Gelber, ein Schwarzer, ein Weißer

Ein großes Loch in der Erde, ein großes schwarzes Loch

Ein schwarzes Loch, ein Trichter.

 

Die Blätter an dem Aste

 Schaukeln hin und her

Und der Spatz tanzt

Singt und wiegt sich

 

Drei Tote auf der Erde

Ein Gelber, ein Schwarzer, ein Weißer

Ein großes Loch in der Erde ein großes schwarzes Loch

Ein schwarzes Loch, ein Trichter

Drei Tote auf der Erde

Die man nicht kennt. ..

Ein Gelber, ein Weißer, ein Schwarzer.

 

[Bergen-Belsen]

 


Michael  Jacques

Jeu d’enfant

 

Le Petit Polonias

De la Stube trois

Il a huit ans

C’est de son âge –

Saute à cloche-pied

Les morts de la nuit

Bien alignés entre

Deux Blocks.

 

[Dachau]

 

Michael Jacques

Kinderspiel

 

Der kleine Pole

Von der Stube Drei hüpft

So ist ein Kind

Mit acht –

Auf einem Bein

Über die Toten der Nacht

Wohl aufgereiht zwischen

Zwei Blocks.

 

[Dachau]

 


Spalt dich, Himmel

 

Spalt dich, Himmel, lass die Sonnenstrahlen

scheinen über uns mit Deinem Frühlingslicht,

soll der Winter mit der Kälte enden,

soll in Freuden leuchten das Gesicht.

Grünt der Rasen, blühen schon die Blumen

und die Welt ist voller Lobgesang,

Frühling ist zu uns gekommen,

alles blüht und ist voller Verlangen.

 

Spalt dich, Himmel, lass die Sonnenstrahlen

scheinen über uns mit Deinem Frühlingslicht,

soll der Winter mit der Kälte enden,

soll in Freuden leuchten das Gesicht.

Kommen Vögel von weit her geflogen

mit dem Gruß: Der Frühling ist schon da!

Kälte haben wir genug ertragen

unsre Stunde ist bald da.

 

Spalt dich, Himmel, lass die Sonnenstrahlen

scheinen über uns mit Deinem Frühlingslicht,

soll der Winter mit der Kälte enden,

soll in Freuden leuchten Dein Gesicht.

„Leben sollt ihr« -sagen uns die Strahlen

lebt, verliert nur nicht den Mut,

Frühling kommt, und neue Quellen fließen,

hört meinen Ruf-es wird noch alles gut!

 

Spalt dich, Himmel, lass die Sonnenstrahlen

scheinen über uns mit Deinem Frühlingslicht,

soll der Winter mit der Kälte enden,

soll in Freuden leuchten Dein Gesicht.

 

[Verfasser und Lager unbekannt]

 


Rivka Basman

Die ewige Trepp'

 

Die Sonn ist hell, die Sonn ist anders,

wie Treppen, die versunken sind in Pein,

jede Treppe eine Trepp' zum Wandern

die mich schleppt tagaus, tagein.

 

Zementne, kalte, graue –

verschlingen alles, was schmeckt nach Glück,

ich schlepp mich, schleppe mich mi! meiner Trauer

frühmorgens her, bei Nacht zurück.

 

Das ganze Leben drehn sich Treppen,

wie verflucht und ohne Ziel.

Vergangen ist schon lang der Schnee,

ich geh noch immer auf der Trepp' wie toll.

 

Ob ich noch je einmal erleben werd' den Frühling,

Ob ich beim letzten Treppchen dann bleib' stehn

und schrei heraus aus tiefstem Herzen :

„Nie mehr eine Treppe gehn! «

 

[Lager Kaiserwald]

 


Rivka Basman

Wer sind wir schon?

 

Wer sind wir schon in finsteren Nächten, vertrieben und verhasst,

 vertrieben, ohne Heimat, verspottet und verlacht?

Wir sind wie Wolken, die am Himmel hastig ziehen,

und verfliegen, die lautlos in der Still' vergehen

 ohne Ziel' –

Wer sind wir schon?

 

Wer sind wir schon in finsteren Nächten, gezwungen zur Freude?

Das Herz zerrissen, vergossen das Blut,

gezwungen uns zu freuen, zu sagen es sei gut,

Wer sind wir schon?

 

Wolken van Staub verstecken den Frühling ringsum,

und irgendwo da schlägt ein Herz ... blüht eine Blume,

erklingt das Echo einer Stimm' in tiefer Nacht,

jammervolles Weinen ... stille Nacht ringsum...

Wer sind wir schon?

 

[Lager Kaiserwald]

 


Hirsch Glik

Lass uns schweigen

 

Lass uns schweigen, weiter schweigen,

und kein Wort geredt!

Lass uns mit geschlossnen Augen

murmeln ein Gebet.

Nicht die Zäune, nicht die Drähte,

nicht die Wach', die steht –

keiner kann uns je verbieten,

 zu weinen still und leis.

 

Nicht wie stumme Bäume

lass uns Wind hier stehn.

Unser Flehen trag mit dir

fort in weite Ferne.

Wind, Wind, säum' nicht lange,

treiben tut's dich doch –

meiner alten kranken Mame

bring du meinen Gruß.

 

Unter tausenden Millionen

Augen wirst du gleich

meiner Mame ihre kennen,

anders sind sie doch.

Ganz verweint sind ihre Augen,

es trocknet sie kein Wind;

voller Schmerz im fernen Lager

sehnt sie sich nach ihrem Kind.

 

Eil dich, Wind, und schnell geflogen

meinen Gruß ihr schick,

's  wollen ihre kranken Augen

zu ihrem Kind zurück...

Lacht der Wind gar -oder weint er?

Räumt mir ein Geheimnis ein...

ich versteh nicht, vielleicht meint er:

 's wird mit mir zu Ende sein.

 

Will den Wind noch etwas fragen,

 's drückt mein Herz so schwer,

ist der Wind schnell fortgeflogen

und kein Wort fällt mehr.

Lass uns schweigen, weiter schweigen,

und kein Wort geredt!

Lass uns mit geschlossnen Augen

murmeln ein Gebet.

 

[Lager Klooga]

 


Jascha Rabinowitsch

 Jüdisches Wiegenlied

 

Schlaf, mein Kindlein, sanft und stille,

schließ die Äugelein,

's gibt von Kindern nicht mehr viele

 wie du, mein Sonnenschein.

 

Vater ist nicht mehr am Leben,

fort mit der Aktion,

sein letzter Gruß, sein letztes Streben

war für dich, mein Sohn.

 

Zogen her aus weiter Ferne,

trug dich auf der Hand,

kamen her zu fremden Leuten

in ein fremdes Land.

 

Leg den Kopf sanft in die Kissen,

der Morgen ist noch weit.

Du sollst, mein Kindlein, niemals wissen

deiner Mutter Leid.

 

Schlaf, mein Kindlein, sanft und stille,

schließ die Äugelein,

's gibt von Kindern nicht mehr viele

 wie du, mein Sonnenschein.

 

Komponist unbekannt [Precu 1943]

 


Lea Rudnitski

Vögel träumen auf den Zweigen

 

Vögel träumen auf den Zweigen,

Schlaf, mein liebes Kind.

An deiner Wiege, an deiner Seite

Sitzt eine Fremde und singt:

Lju lju lju, lju lju Iju, lju.

 

Es hat deine Wiege einst gestanden,

Ganz geflochten aus Glück.

Und deine Mutter, oh, deine Mutter,

Kommt wohl niemals mehr zurück.

Lju lju...

 

Ich hab gesehn deinen Vater laufen

Unter dem Hagel aus Steinen.

Über Felder ist geflogen

Sein verwaistes Weinen.

Lju lju...

 

Vögel träumen auf den Zweigen,

Schlaf, mein liebes Kind.

 An deiner Wiege, an deiner Seite

Sitzt eine Fremde und singt:

Lju lju...

 

Es hat deine Wiege einst gestanden,

Ganz geflochten aus Glück.

Und deine Mutter und dein Vater

Kommen wohl niemals zurück.

Lju lju...

 


Lea Swirski

Mein Schtetl

 

Da draußen -die helle Nacht –

Der Mond, die Sterne, sie funkeln,

Mein kleines verträumtes Schtetl, es schläft,

Still ist's schon in allen Winkeln.

 

Nur ich alleine bin wach,

lch lieg da und ich kann nicht schlafen,

Der Mond, er reizt mich und lacht,

Sogar die Sterne wollen mich plagen.

 

Eine niemals gekannte Kraft

Reißt mich aus meinem Bette,

Und durch mein Fenster, erstarrt,

seh' ich mein schlafendes Schtetl.

 

Ein unendlich trauriges Bild

hat sich vor meinen Augen ergossen,

mein Schtetl ist schrecklich und wild,

mit Teichen von Blut, das geflossen.

 

Oj, Schtetele meins, du kleines,

Wie bist du auf einmal so anders,

Würd' ich dich jetzt so nicht sehn,

müsste ich nicht so viel leiden.

 

Wann ist verfallen dein Charme?

Sieh, was ist aus dir geworden!

Oj, Schtetele meins, du kleines,

Wär ich doch besser nie geboren!

 

[SchischmarerLager]

 


J. Tsendorf

Unser Mut ist nicht gebrochen

 

Unser Mut ist nicht gebrochen,

's ist das Leben wunderschön.

Und der Sieg ertönt von weither,

über alles, was gemein.

 

Refrain:

Sieh, die Welt, sie blüht schon wieder,

wie jedes Jahr -wie jeden Mai.

Jud und Mensch sie sind ja Brüder

's muss die Welt doch werden frei.

 

In der Heimat Weib und Kinder

wollen uns doch wieder sehn.

Unser Mut wird Wunder weisen

Und das Wunder wird geschehen.

Sieh, die Welt ...

 

's ist zu alt schon die Geschichte

vom Hass zwischen Christ und Jud,

Zeiten kommen unerwartet.

Für uns alle ist das Feld bestellt.

Sieh, die Welt ...

 

Hoch und höher soll sich heben

über die Baracken unser Lied,

für uns alle wird das Feld beackert,

und für alle gibt es Brot.

Sieh, die Welt...

 

[Lager Pithiviers 1941]

 


Anna Burdówna

Lagerliedchen

 

Hinter der Mauer, dem Stacheldrahtzaun

führt ein Gespräch die Kräh' mit dem Hahn.

Das Thema war sehr sensationell,

 man sprach übers Lager gleich auf der Stell.

 

Sage mir, Krähe, wie man dort lebet,

denn darüber wird so manches geredet.

Täglich zur Arbeit gehn sie in Scharen,

was soll'n die Paraden in langen Haaren?

 

Es sind dort Frauen, Verzeihung, Nummern,

und ihre Zahl ist mehr als Viertausend.

Zigeunerinnen, adlige Frauen,

Zeugen Jehovas und die von der Straße.

 

Auch eine Riesenschar Polinnen,

Schön jede zweite, toll jede dritte,

und wo die Arbeit schwierig und mühsam,

da wählt der Lageraufseher nur sie aus.

 

Sie schneidern, kochen, sie pflegen Kranke,

sie schleppen Ziegel, bis das Kreuz wehtut.

Sie bauen Straßen, sie roden Wälder,

und schau nur hin, wie sie marschieren.

 

Nun sag' mir, Krähe, du meine Liebe,

was sie dort essen, unsere Frauen?

Ach lieber Hahn, es lohnt nicht der Rede,

nichts außer >Eintopf<, so dünn wie Wasser.

 

Frag nicht mehr weiter -stopp -keinen Schritt mehr,

sonst fällst du in' Bunker oder in' Strafblock.

Was dort passiert, dass Gott bewahre,

darüber schweig' ich und sträube die Haare.

 

Sage mir, Krähe, warum wohl, warum,

stört die Sirene immer mein Krähen?

Heult jeden Tag wie der Ochs in der Herde,

soll das wohl heißen, Schlechtwetterzeit?

 

Diese Sirene hat manche Ziele,

 zuallererst sind es »Zählappelle«.

 Stundenlang stehn dort frierend und zitternd

in langen Reihen Tausend und Tausend.

 

Und heult sie mitten in schwarzer Nacht,

so heisst das immer Fliegeralarm!

So geht's dahin, oh mein Kogucik,

das Lagerleben in Ravensbrück.

 

Sag', haben sie Hoffnung, wird ihre Nacht enden,

 der Tag anbrechen mit seinem Licht?

Dochja, sie glauben von ganzem Herzen,

dass diese Lager nicht ewig bestehn.

 

Musik: ]osef Lammer (19. Jh.)

 

[Ravensbrück I941]

 


Zofia Górska-Romanowiczowa

Antigone

 

Ich kehre zu Dir zurück in Gedanken, Vater,

Zu jenen fernen Augenblicken,

Zujenen fernen Jahren,

Als wir gemeinsam gingen

Durch die geheimnisvolle Welt.

 

Die Bäume sprachen zu uns,

In den Baumhöhlen wohnten Elfen,

Neben Dir trippelten

Kleine Füßchen.

 

Wovor sich fürchten,

Wovor Angst haben,

 Wo es so sicher war

Auf Deinen Armen.

 

Du, wenn Du noch lebst

Und ich -in grauer Uniform,

Vielleicht begegnen wir uns heut',

Und wissen es nicht.

 

Alle sind so sehr grau,

Alle so sehr dieselben,

Aber einer schaute mich an

Mit Deinen Augen.

 

Einer streckte die Hand aus

Es war Deine Geste,

Vielleicht warst es Du -wenn Du lebst,

Wenn es Dich gibt ...

 

Doch sagt mir beklommen mein Herz :

„lch glaube nicht, dass Du lebst,

Ich glaube nicht, dass Du wiederkehrst.«

 

Irgendwo ist dies irgendwann geschehen,

In einem mir nicht bekannten Moment,

Jetzt erscheinst Du mir nachts im Traum

Mit einer blutenden Wunde.

 

Ich kenne doch Deine Angst,

 Ich kenne doch Deinen Schmerz,

Diesen blutroten Punkt

Auf Deiner Stirn.

 

All das weiss ich auswendig,

Ich kenne all Deine Qual

O hätt' ich Dir damals

Gedrückt die Hand...

 

O dürft' ich doch nur

Deinem armen Körper

Ausheben ein Grab im Sand

Unter der weißen Birke.

 

Unter der stillen Birke

Fern allen Pfaden

Und wissen, dass Du dort schläfst,

Dass Du dort liegst-

 

Mit hundertfachem Echo warf

Der grüne Wald die Salve zurück,

Und keiner hörte die Stimme

Der weinenden Antigone.

 

Was soll ich länger lügen?

Solllänger ich betrügen?

Und was erwartet

Uns noch von diesen Menschen?

 

Und schon bist Du nicht mehr.

Gingst in das Schattenreich

Was hilft's, dass einer

Von ihnen Deine Augen hat?

 

Wie fern sind jene Tage,

Wie fern sind jene Jahre,

Da wir gemeinsam gingen

Zu grüßen diese Welt,

 

Als zu uns sprach der Wald,

Als er uns lächelte -

Heut' fiel in diesem Wald

Einschuss.

 

Und wo Dich suchen, weiss ich nicht,

An welchem Ort, in welcher Richtung –

Man ließ den Leichnam nicht bestatten

Die weinende Antigone.

 

[Ravensbrück 1943]

 


Zofia Grochowalska-Abramowicz

Harfen von Birkenau

 

Von dem Stoß Leichen blicken tote Gesichter

ohne Mund, ohne Nase, mit gläsernem Auge –

blicken zu den Sternen...

Ratten tanzen ihre

roten Reigen, -Ratten.

 

Und die Drähte, zwischen die Lichtmasten

gespannten Drähte -sie glänzen.

Das sind die Harfen von Brzezinka

die Harfen von Birkenau.

 

Stinkender klebriger Kot, an den Fußlappen Blut

nichts als Flüche und haushoch Menschen, Menschenskelette ...

Augen von Wahnsinn,

Massen und Massen.

 

Und die Drähte, zwischen den Lichtmasten

gespannt -sie glänzen.

Das sind die Harfen von Brzezinka,

die Harfen von Birkenau.

 

Wasser, Wasser! ... Wasser! Gib Wasser, die Zunge schwillt an,

die heißen Lippen sie platzen -die mit den goldenen Haaren stirbt.

Soll sie krepieren auf ihrem dreckigen Stroh, krepieren!

 

Und die Drähte gespannt zwischen den

Lichtmasten glänzen.

Das sind die Harfen von Brzezinka,

die Harfen von Birkenau.

 

In der Menge die auf der Erde gelagert

traf ein beschlagener Stiefel eine liegende Brust

stolperte über eines Menschen Stirn.

Ein Schrei steht auf, ein tausendfacher Schrei,

Geheul fliegt in den Raum.

 

Und die Drähte zwischen die Masten gespannt

sie glänzen.

Das sind die Harfen van Brzezinka,

die Harfen van Birkenau.

 

Räder rollen über die Schienen,

jagen dahin für den Sieg des Verbrechens,

sie fahren, sie fahren Menschen ins Gas,

Menschen zum Ofen, Menschen auf den benzinbegossenen Stoß.

Dichte Rauchschwaden breiten sich aus, stinkender Qualm...

Hier verbrennen Menschen Menschen.

 

Und die Drähte zwischen die Lichtmasten

gespannt -sie leuchten.

Das sind die Harfen van Brzezinka,

die Harfen van Birkenau.

 

[Birkenau 1944]

 


Gracjan Guzinski

Capo-Foxtrott

 

Hau ab! Du Schnalzkopf, hau ab!

Du Schlawiner, komischer Vogel und Drecksack!

Geh, du alte Sau, du Muselmann!

Hau ab! Du Schnalzkopf, hau ab!

Du Schlawiner!

lch werd' dir helfen,

ich werd' die helfen!

Pass' auf, du blöder Hund! ...

 

[Mauthausen-Gusen 1943J

 


Zofia Karpiriska

Auf eine alte Weise

 

Es steht die Nacht, es flieht der Traum,

Der Flieder duftet.

Hinter dem siebten, siebten Berge wo

Da wohnst du.

Die Zeit verstreicht, über den Wiesen

Dauert die Nacht,

Hinter Drähte, hinter Gitter

Hat man mich gebracht.

Und von mir bis zu dir

Ist 's so weit,

Kein Vogel fliegt hier vorbei.

Und von mir bis zu dir

Ist 's so nah,

Dass hämmernd die Schläfen pochen

Der Atem stockt.

Über dem Wald, ach, ferne

Ziehen Nebel,

Doch hinter dem siebten, siebten Berge

Da wohnst du.

Ich geb dir mein trauriges Herz

Die schweren Träume,

Ich geb dir all meine Unruh,

Schmerz und Tränen.

 

[Majdanek 1943]

 


KZ-Liebeslied

 

Draußen steht eine bange Nacht,

die Zeit flieht, der Flieder blüht.

Hinter dem siebenten Berg bist du,

draußen steht eine bange Nacht.

Die Zeit flieht, der Krieg dauert an.

Hinter den Drähten warte ich.

 

Mein Herz sehnt sich nach dir

und weint, ach lange, ach lange.

Hierher zu uns hinter die Drähte

fliegt kein Vogel.

Draußen steht eine bange Nacht,

die Zeit flieht, der Krieg dauert an.

Hinter den Drähten krepiere ich,

hinter den Drähten krepiere ich.

 

[Majdanek 1943]

 


Maria Kociubska

lch warte auf Post...

 

Ich warte auf Post, auf diese kleine Karte

Auf der die teure Hand so zagend schrieb

In jener fremden, feindlichen Sprache merkwürdige Sätze

Vorsichtige Antworten, scheue Fragen,

Worte, die so sehr trösten wollen,

Lindern den Sehnsuchtsschmerz und den Alptraum.

Tag für Tag vergeht in hoffnungslosem Grau,

Und Samstagsmorgens unerschütterlich-

Wart ich auf Post, auf diese kleine Karte ...

 

[Ravensbrück 1941]

 


Maria Kociubska

Die Laus

 

Meine Süße, pass gut auf,

ich brauch dringend eine Laus!

Und im Falle größter Not

bezahl ich sie mit meinem Brot.

 

Und wenn sie verzieht ihre Miene

kriegt sie auch ein wenig Margarine.

Soll den Preis nicht zu hoch hissen,

Lieber drauf tun ein, zwei Nissen.

 

Wozu eine Laus? Ach, meine Schöne,

ich möcht so gerne in die Quarantäne.

Nichts ist mir derzeit so fremd,

wie ein frisch gewaschenes Hemd!

 

Saubere Hosen und ein Schürzchen,

Unterrock und noch ein Mützchen...

 Schnell, beeil dich, Iauf ach Iauf,

kauf mir eine schöne Laus!

 

[Ravensbrück 1943]

 


Maria Kociubska

Jetzt ist. ..

 

Jetzt ist Schweigestunde,

Also halten Munde,

Mit Zungen dabei

Sprechen ist verboten

Schweigen wie die Polen

Ihr seid noch nicht frei

Man muss Schnabel halten

Jungen oder Alten,

Ihr seid immer faul,

Ihr sollt Strumpfe machen

Und nie sollt Ihr lachen.

Also halten Maul!

 

[Ravensbrück]

 


Aleksander Kulisiewicz

Die verbrannte Mutter

 

lch, die verbrannte Mutter

poche an eure sehnsüchtigen Herzen.

Sehen könnt ihr mich nicht,

Verbrannte kann man nicht sehen.

Das Gas hat mir die Augen ausgebrannt.

Zuerst fingen die Haare an

ich wurde zu kleiner Asche

die Asche flog in die Luft.

lch, die verbrannte Mutter

rufe von fern euern Herzen zu:

Dass niemand die Kinder erschlage!

Dass niemand die Mütter verbrenne!

Darum fleht die verbrannte Mutter.

 

[Sachsenhausen 1944]

 


Jadwiga Leszczynska

Frauenlager

 

Lager, Lager, Frauenlager!

Lager Auschwitz-Birkenau!

Ladenstraße, Sauna, bloki,

 Toiletten, Wascheraum...

 

»Kaffee holen!« und »Aufstehen!«

»Appell, Appell!« -»Alle r-raus!«

»Und zu Fünfen!« -»Achtung!« -»Ruhe!«

»Zählappell! « -~~ Es stimmt genau! «...

 

»Aussenkommando ausrücken! «

Marschkolonne, Kapo, Post;

Hacke, Trage, Harke, Schaufel,

»Bemüht euch!« -»Aberlos!« ...

 

Revier, Grippe und Fleckfieber,

Durchfall, Scheisse, Krätze, Laus!

»Kranke fertig! «, Leichen, Kamin,

Krematorium, Spritze, Gas! ...

 

[Birkenau 1944]

 


Maria Rutkowska

Aufseherin K

 

Man schickte Dich zu uns auf Befehl

Du schautest uns ins Gesicht

Mit Verachtung

Und großem Groll!.

Nach ein paar Tagen

Senktest Du schon die Lider

Wenn Du »weiter« riefst.

Bis ich auf einmal Tränen sah

Ungetrocknet

In Augen die nun wieder auf uns schauten.

Woher die Tränen? Du sagtest,

dass Du weintest über uns.

Vielleicht -über Deine Träume,

Darüber, dass Du neunzehn bist

Und Deine Welt Stolzer Einbildungen

In der Hölle liegt.

[Ravensbrück, Frühling 1943]

 


Maria Rutkowska

Alarm

 

Alarm! Wach auf! Anstatt zu schlafen

Hoch! Hundert Sirenen heulen im Dunkel der Nacht,

Tausend Flügel schlagen dort an die Sterne.

Der Wind verstummt, als hätt's verschlagen

den Atem der erschrocknen Welt.

Ha, sie fliegen, langsam erstickt unterm Himmel

der Gesang der Schreckensmacht.

Gott selbst -verborgen, ach, in unsichtbaren Fernen

Lauscht, in allmächtigem Schweigen erstarrt,

Gott, Welt und wir.

 

Sie fliegen, fliegen ... es schluchzt die Welt

In des Erschreckens Zuckung Rettung sich erbettelnd,

Und der Tod, ein wogendes Meer in den Sternen,

Spielt im Rhythmus der Motoren die schreckliche Hymne

Wie über Warschau...

Doch heute bezahlst du deine Schuld woanders, blutige,

Weinende Erde. Nichts hilft dir mehr.

Vergebens sendest du in den Raum den Angstschrei.

 Zitterst. Schweißperlen kalten Taus auf deinem Körper.

Sie fliegen nach Berlin!

 

Schwestern, hört ihr die Flieger heulen?

Leis haben die Gräber im Sand sich geöffnet,

Das Heiligste der Toten kommt zu den Lebenden,

Reicht euch die Hände zu einer mächtigen Kette

Für den nächtlichen Weg.

Steht auf, seid auf dem Pfad der großen Angst

Wegweiser dem fliegenden Tod.

 

Und sollten wir alle auch heut noch verbrennen,

Fließt doch lebendiges Blut ins Herzen unserer silbernen Vögel

Zu ihrer Stärkung.

Alarm! Wach auf! Anstatt zu schlafen

Horch!

 

[März 1943 Ravensbrück]

 


Maria Rutkowska

Nichts weiss ich heut

 

Nichts weiss ich heut. Ich weiss nicht, wo Ihr jetzt gerade seid,

Noch weiss ich, welcher Himmel über Euch sich neigt,

Doch klingt das Rauschen meiner Bäume wie ein Stöhnen

Und immer hab ich Blut vor Augen, Euren Weg befleckend.

 

Nachts kommen Träume -trügerische Wahngebilde,

Von denen morgens nur des Schreckens Bürde bleibt.

In ihrer ganzen Schwere ist Eure Idee auf mich gefallen -so

Als hätte jemand mir Eure Herzen in die Brust gelegt.

 

Noch weiss ich nichts, nur eines fühl ich immer stärker,

Dass mich die Unruh Eurer Tage voll ergriffen hat

Dass selber irrlichternd im Nebel ich Gedanken spinne,

Und kann Euch doch nicht hören im Geheule der Maschinen.

 

Ich weiss nicht... geht Ihr durch zerstörte Straßen,

den »Nowy Swiat«* oder die »Hoza« *, im Qualm, geschwächt von Wunden

Vielleicht, dass auch nur Vögel über Eurem Kopfe schreien,

Im Felde irgendwo, welches das Feuer gleichsam umgepflügt.

 

Nichts weiss ich. Und immer hör ich hier im Baumesrauschen

Jemanden jammern, leise schluchzen, weinen wie ein Kind.

Doch werd ich hier nicht mehr erfahren, ob Ihr noch lebt

und wessen Kugel Euch jetzt jagt -die russische oder die deutsche?

 

[Kommando Waldbau, Filiale von Ravensbrück -geschrieben im September 1944 nach der ersten Nachricht vom Warschauer Aufstand]

 

* »Nowy Swiat« und »Hoza« sind Geschäftsstraßen in Warschau

 


Maria Rutkowska

Leben

 

Einmal sprachen wir über himmlische Dinge,

Kreisten durch Galaxien

Massen die Sonne aus.

Und nebenan -in der Schlange der Brotausgabe

Gab's ein Geschrei

Betäubendes nicht verstummendes Zanken,

Denn gierige Hände

Wollten so viel wie nur möglich –

Suchten die Brotrationen

nach Millimetern aus.

 

[Ravensbrück, Winter 1944/1945]

 


Aleksander Szymkiewicz

Depression

 

Aus zerborstenen Krügen sah Wein ich fließen,

die Erde ihn schlürfen mit schwarzen Lippen;

Hoffnung an Fetzen von Segeln sich brechen

doch nie mehr die Heimat und meine Lieben.

 

Weg mit den Märchen! Auch euch stoß ich fort,

habt mir die Jugend vergiftet mit schönem Trug.

Kommt, ihr Dichter, helft mir suchen

Läuse in meinen schmutzigen Lumpen.

 

[Dachau 1943]

 


Wladzimierz Wnuk

Die lebenden Steine

 

Wir sind die lebenden Steine,

harte und nackte Felsen.

Wir schwitzen bei Sonne und Schlägen,

im Steinbruch Mauthausen-Gusen.

 

Wir sind die lebenden Steine,

obdachlose Steine.

Uns küssen keine Flüsse,

uns tötet die mörderische Hitze.

 

Wir sind die lebenden Steine,

im Schatten der Teufelsfahne.

im Herzen schwelt die Lunte

und täglich mehr Dynamit.

 

Wir sind die lebenden Steine,

aus der Tiefe der Hölle.

Wir Sklaven, müssen doch glauben

an Menschen,

Menschen

und Liebe.

 

Musik: Aleksander Kulisiewicz, 1943

 

[Mauthausen 1940]

 


Jin Stein

Der Brief

 

Meine Teure ich schicke Ihnen ein Schreiben

ein böser Wind fegte die süßen Warte aus ihm

nur Tränen schrieb des Dichters Seele

und sie sind nicht fähig zu lesen

 

Es ist kein Brot da und die Kinder wollen essen

und die Toten die vom Friedhof flüchteten

in stillen Ecken sterben wieder

in erlaschenen Augen Angst und Hass

 

Heute verwirrte ein rauer Nordwind meine Reime

dass ich statt van Liebe Ihnen van Machtlosigkeit singe

auf weißem Papier in blutiger Schrift

 

Heute wollte ich Wein -Beifuß hat mich berauscht

heute stach eine glühende Flamme in die Schwarze Nacht

heute habe ich statt der Laute das Messer erfasst

 

[Theresienstadt]


Jin Stein

An die Stadt

 

Meine Stadt der Bettler die an den

Portalen kauern

mit zwei schlanken Türmen über

dem duftenden Hang

meine Stadt mit dem Grabmallängst

toter Könige

meine Stadt des Lästerers und fromm

gefalteter Hände

Meine Stadt schläfst du?

 

Meine Stadt der Gassen in die die

Nacht Gold gießt

meine Stadt der Erker und breiter

Kuppeln

die der Abend im Zauber der zarten

Alchimie färbt

meine Stadt schwerer Alter die ohne

Rast schreiten

Meine Stadt schläfst du?

 

Meine Stadt der Wehre die an

verstummten Mühlen rauschen

meine Stadt der weißen Zinnen

und schwärzlichen Tauens

der Zeiger der Altstädter Turmuhr

und blutiger Schatten

meine Stadt der Glocken

die Glocke läutet nicht mehr

meine Stadt schläft.

 

[Theresienstadt]

 


Teresa Bromowiczowa

Appell

 

Das sind wir. Dieser Wald aus Uniformen

Plötzlich emporgewachsen beim Appell auf dem Platz,

Stehen wir -menschliches Schilfrohr,

Stumm, taub -aufrecht-

Warten wir

Und über unsern Köpfen

In der gleißenden Morgenhitze

Durchschneidet, gestrafft vom gesteigerten Mordwillen

Ein Habicht die Sonne -auf den Flügeln wiegend den Tod

ein fremdes Flugzeug ...

 

Gestern hat man sie geholt.

Die Reihe ohne Lücken,

An ihrer Stelle wuchs ein neuer Uniformenwald,

Dahinten der Kamin

Wird schwarz und schwärzer

Um seinen aufgerissnen Schlund.

Und über dem Kamin-

Rauch -schwarzer Habicht-

Auf den Flügeln wiegt er den Tod,

Auf den Flügeln bringt er den Tod.

……………….

……………….

Dumpf ist die Stille im Uniformenwald

Das ist der Todesappell. Der Appell ist immer.

Wer heute? Vielleicht du? Vielleicht ich?

…………………

…………………

[Ravensbrück 1945}

 


Janina Hescheles

Belzec

 

Was für ein schreckliches Bild:

Ein Waggon voller Menschen

in der Ecke ein paar Leichen,

alle stehen nackt

Stöhnen übertönt das Rattern der Räder

Der Verurteilte versteht nur,

was sie ihm sagen:

Nach Belzec! nach Belzec! nach Belzec!

in den Tod, in den Tod, in den Tod.

Bis Belzec, bis Belzec, bis Belzec,

zum Tod, zum Tod, zum Tod.

Willst du leben

dann spring! dann flieg! dann renn!

aber gib acht

auch dir lauert der Bahnschutz auf

Einem andern wispern sie zu, deine Mutter siehst du nie wieder.

Du weinst umsonst, du schluchzt umsonst

Den Vater siehst du auch nicht mehr,

weil Räder dich nach Belzec jagen

nach Belzec, nach Belzec, nach Belzec!

zum Tod, zum Tod, zum Tod!

bis Belzec, bis Belzec, bis Belzec

in den Tod, in den Tod, in den Tod.

Der Zug bremst ab, hört auf zu rasen,

Ein Stöhnen reibt sich tausend Menschen aus der Brust

Der Zug kommt an sein Ziel,

Ein Pfeifen der Lokomotive:

Schon Belzec! schon Belzec! schon Belzec!

 

[Janów-Lager 1943]

 


Leonard Krasnodebski

Choral aus der Tiefe der Hölle

 

Hört unseren Choral

Aus der Tiefe der Hölle!

Er soll unseren Henkern

Auf ewig die Träume stören!

Choral, Choral!

Aus der Tiefe der Hölle.

Er soll unseren Henkern

Die Träume stören...

Die Träume stören,

Für immer die Träume stören!

Hört unseren Choral!

Hört doch unseren Choral!

Aus der Tiefe der Hölle ...

Attention! Attention!

Hier krepieren Menschen.

Auch hier sind Menschen! !

 

Musik: Aleksander Kulisiewicz (I944)

 

[Sachsenhausen]

 


Aron Liebeskind

Wiegenlied für meinen Sohn im Krematorium

 

Schwarzes, stummes Krematorium ...

Höllentor, Leichenstoss.

Glitschige, steife Körper schleppe ich,

Grau geworden bin ich über Nacht.

Hier liegt mein Sohn, mein kleiner Sohn,

Die Fäustchen in den Mund gebissen.

Wie kann ich dich ins Feuer werfen -hier! ...

Deine schönen goldenen Haare ...

 

Lulaj, lulaj du mein Sohn.

Lulaj, lulaj du mein Sohn.

Lulaj, lulaj du mein Sohn.

du-u-u -mein -Sohn! ...

 

Elende Sonne, warum schweigst du?

Ich hab alles hier mit angesehen.

Sein Köpfchen haben sie zerschmettert

An der kalten Wand aus Stein.

Deine stillen Äuglein schaun zum Himmel

Und erstarrte Tränen schreien

Sohn! Überall und überall dein Blut!

Und du lebtest doch -nur drei kurze Jahre.

 

Lulaj,lulaj du mein Sohn.

Lulaj, lulaj du mein Sohn.

Lulaj, lulaj du mein Sohn.

du-u-u -mein -Sohn! ...

 

Übersetzung aus dem Jiddischen

van Aleksander Kulisiewicz

[Treblinka 1942J

 


Maria Rutkowska

Mein Friede

 

Mein Friede wird sein unter Blumen

Wenn er mich leis' umfängt

In einem Monat... oder nach Jahren.

Dann

Hüll' ich mich ein

In duftende Parfums,

Meine grauen Haare

Über den Schläfen

Werden seidig glänzen und weich

Und meine Hände werden weiss sein und

Schön wie einst.

 

Jetzt

Hab' ich nur Träume.

Über dem dreckigen Fetzen von Hemd

Beug' ich mich täglich voll Angst,

Öffne ganz bang die Finger meiner Hand

Und bin eine arme Bettlerin

auf der Suche nach -Krätze und Läusen.

 

[Ravensbrück, Dezember 1942J

 


Maria Rutkowska

Meine Hände

 

Spielt auf ihr Maschinen, das teuflische Lied

Ihr Bohrer tanzt los unter Pfiffen,

Ihr Mächte der Hölle, tötet und rächt

Euch selber in diesen schwarzen Stunden.

Hände, ach meine Hände

Werft ihre Ernte der Hölle zurück!

Solln die Maschinen heulen, van meinem Schweiß bespien –

zum Tod, zum Tod der Henker!

 

In lange Tage und Nächte geschleppt

Leben wir hier ohne Recht auf Dasein,

Doch die gefesselten Hände tun heimlich

Tun heimlich ihr Werk der Vernichtung.

Hände, ach meine Hände

Bereitet den Mördern die Ernte!

Solln die Maschinen heulen, van meinem Schweiß bespien-

Zum Tod, zum Tod der Henker!

 

Vergebens sollen die Flügel vom Boden abheben,

Absterben noch vor dem Plug die Motoren,

Und fliegen sie dennoch, so soll mein Verrat

Hinab in den Abgrund sie stürzen.

Hände, ach meine Hände

Werft ihre Ernte der Hölle zurück!
Solln die Maschinen heulen, van meinem Schweiß bespien-

Zum Tod, zum Tod der Henker!

 

[Neubrandenburg 1943]


Pavel Friedmann

Der Schmetterling

 

Der letzte war's der aller allerletzte

der satt und bitter blendend grelle

vielleicht wenn eine Sonnenträne irgendwo auf weißem Stein erklingt

 

so war das Gelb

und trug sich schwebend in die Höhe

er stieg gewiss gewiss wollt' küssen er dort meine letzte Welt

 

und sieben Wochen leb ich da

gettoisiert

hier fanden mich die Meinen

mich ruft der Löwenzahn

und auch der weiße Zweig im Hof auf der Kastanie

doch einen Schmetterling hab ich hier nicht gesehn

 

das war gewiss der allerletzte

denn Schmetterlinge leben nicht im Getto.

 

[Theresienstadt, 4. Juni 1942]

 


Dagmar Hilarová

Mai 1945

 

Es war Mai.

Und alle Blüten erschlossen sich ihm:

Blaue Fliederspindeln

Spulten ihren Duft ab.

 

Schwer wallte er über das Land.

Und jeder konnte die Freiheit greifen

Wie ein Blinder

Das Antlitz eines Menschen,

Der ihm teuer ist.

 

Es war Mai.

Zweige hatten Plaggen gehisst

Aus Blüten.

Trunkene Bienen suchten ihren Stock.

Die bitteren Jahre waren vorbei.

Frühlingswind

Verwehte letzten Schmerz

Aus der Brust.

Es war Mai

Und alles erblühte zur Freiheit.

 

[Theresienstadt]

 


Mif

Theresienstadt

 

Die allerschwersten Räder fahren über unsre Stirn

und bohren sich dort ein tief tief in das Gehirn

 

hier

standen wir mehr als genug

in jenem Schwarm der Schmach

die

eine Binde für Blinde

ihren Kindern geben wollte zum Beweis.

 

Das vierte Jahr des Wartens wie die Wartezeit an einem Sumpf

ob seine Quellen endlich Wasser geben

 

indes sinnlos und stumpf die Ströme einen andern

andern

Weg sich wählen aus zu wandern

und lassen dich nicht sterben und nicht leben

 

Kanonen brüllen nicht und still sind die Gewehre

hier fließt kein Blut

und nur der Hunger tanzt hier seinen stummen Reigen

 

Kinder stehlen Brot und stellen Fragen lastend schwere ...

und alle möchten schlafen schlafen schweigen...

 

die allerschwersten Räder fahren über unsre Stirn

sie schnüren zu die Kehle

und bohren sich uns tief in die Seele

 

das können Jahre nicht verwehn...

 

[Theresienstadt 1944J

 


Mif

Dachbodenkonzert in einer alten Schule

 

Des Kirchendieners bleiche Finger schließen hart uns ein

und durch ein halb Jahrhundert

hat nie noch das Klavier dort solchen Druck gekannt

als gestern da es tönen musste

Schauermäre.

 

Wenn van Händen zwischen Wänden leise ader laute Schläge tönen

des Mannes Stirn war schwer wie vor dem Regen über uns das Wolkenmeer.

Die Federn

haben vor Begeisterung zu kreischen selbst vergessen

und durch ein halb Jahrhundert hat dieses Klavier nicht solchen

Druck gekannt

 

Der gute Freund genannt die Zeit

ist allen Zifferblätter nun entwichen

der Biene gleich

die schon genug gelebt

die schon genug an Honig aufgespeichert

und in der Sonne sich zu trocknen hingelegt.

 

Dort mit geschlossenen Augen wachen Menschen die nicht rasten

dort mit geschlossenen Augen blickt ein jeder nach den Tasten

wie auf die Ader welcher weich das Blut entließt

wenn du ein Lied ihr bringst und sie dein Messer küsst

Und jener Mensch hat alle Adern nachts geöffnet

hat alle Orgelpfeifen aufgemacht

bestachen hat er alle Vögel um zu singen

zu singen

 

auch wenn des Küsters harte Finger uns umschlingen

Und über deinen Tod neigst du das Haupt wie einst Beethoven

und deine Stirn war schwer wie vor dem Regen über uns das Wolkenmeer.

 

Es spielte Gideon Klein

 

[Theresienstadt]


 

 


                 

 

    

de Rijn - collage 30 x 40 cm

 

 

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canandanann 31-01-2012