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Die frühen Schatten sinken Umdüsternd ins Gelaß, Zufällig huseht ein Blinken Vom toten Spiegelglas, Wie bleicher Hände Locken, ... Wie stummes Abschiedwinken Mit Tüchern tränennass ... Nun fallen bald die weißen Flocken.
Es scheint mit Horn und Zinken Zum ungeschlachten Baß Gespenstisch herzuhinken Vom Friedhof Gaß um Gaß Im Hall der gellen Glocken, Die Türe aufzuklinken, Wer horcht mir ins Gelaß? ... Nun fallen bald die weißen Flocken. O. Loerke Da du, der Wandernacht nun überdrüssig, Vor der Laterne säumst im Schneegehetze, Wirds unter deiner Wimper golden flüssigBespannt der Schnee dein Licht mit seinem Netze?
Verirrt dein Sinn zu tief sich an die Teiche, Die aus den Jahren unterirdisch weinen Und Leides Spuk wie Linnen auf der Bleiche, Betreut von toten Fingern, widerscheinen?
Inzwischen wächst die silberschiere Wehe, In stummem Zauber wie versiebenfältigt. Du fliehst, wie wenn die Schwermut rings erstehe, Vom eigen en Gedanken überwältigt.
Aus Tiefem steigen auf die weißen Schanzen, Aus Unterwelten heben sich die Gassen Und fügen Trümmer, Wand um Wand, zum Ganzen Und ordnen lautlos steife Häusermassen.
Um Dach und Simse wuchert breiter Schimmel. Die Stadt ist tot, sie hat sich längst begeben. Verschneit dir unterm Fuße liegt ihr Himmel Mit seinem Sonnwendabend von soeben: Die Speichertürme waren rot geworden, Die Dohlen schwärmten mönchisch in die Luken, Als warte ein besessner Vogelorden Die Feueröfen, die ihr Opfer buken.
Nun scheint es manchmal aus dem Schnee zu flattern, Geflügelt sich den Weg herauf zu bahnen. Umsonst, es wächst die Unterwelt, es schnattern Auf weißer Einsamkeit die Eisenfahnen.
O. Loerke Wie mit langen sausenden Wurzeln hängt Sturm in der Nacht, Von ihnen trieft Schnee in großen Frachten. Die Stadt schläft inmitten, dennoch abseits, In ihren Fuchsburgschachten die Grubenlichter wachen.
Mein hörender Geist, dem unaufhörlichen Sausen lauschend, Führt mich und findet in ihm die monotone beschreitbare Fläche, Bannt mir die Wirbel des Schnees und ebnet sie weit hinaus Und winkt auf irdischem Fuße verbotene Ebne ambrosisch sommerndes Lächeln.
Meine Demut erblüht, sieh, auf dem Blumenplan, Der unter Schwerem einsinkt: eine grüne Nessel. o meine Demut, wir lebten einander vorüber, Wir haben uns nicht gewusst, uns vergessen.
Oh, nun ist nicht Zeit mehr zu lauschen, Wie sie jubeln im Julidonner: zwei Drosseln Meine Begeisterungen von einst, Aus diesen Augen früh und flüchtig ergossen!
Im Hochwald rinnt ein roter Bach: Sonne unter der Sonne - Meine Seele grübelt sich durch das Gestein, Nie hat sie sich meiner entsonnen.
Zuckender Schnee, Rasende Reise Des Himmels ins Weh, Irr engt sich das Weite. O. Loerke
Die Seele grünt noch im Sehnsuchtskummer, Der mit dem Schlafe nicht entschlief. Am Ohre lungert ihm Fernsprechnummer Maschinenhacken, Schema Brief.
Er sieht: In rubinener Tagesneige Nimmt raschen Abschied, was ewig hieß, schattet mit breiten Blättern die Feige Ober den Weg aus dem Paradies.
Eben hat er den Enzian gebrochen Auf einem Berg, den die Eiszeit verschlang, Und er hat am brandiges Opfer gerochen Zum Gebet, das ein Ahnherr für ihn sang.
Im Lichte der Sichel, fern hergeliehen Vom donnernden Tage, der jenseits stand, Ist ihm das nächtliche Weistum gediehen Bei schlissigem Laub an herbstkalter Wand.
Die Atemwolke aus ihm dauert Im Raum, wo Vergehendes stille steht, Wo der Büßer, der auf dem Bettrand kauert, Dräußen im Frost hackt, vom Nachtschnee verweht.
O. Loerke die Berge dunstverhangen wo weiger Schnee noch fiel, in der alten Heimat ist der Frühling gekommen.
Fujiwara Yoshitmne
weiß man noch nichts vom Frühling. An der Kieferntür langsam erst rinnen herab Perlen tauenden Schnees.
Prinzessin Shikishi Im Heimatdorf noch immer im dicktiefen Schnee zeigt sich keines Fußes Spur: Und doch zog der Frühling ein.
Kunaikyö noch immer kalt sein Leuchten der Mond des Frühlings. Wolkenbedeckt der Himmel und unaufhörlich fällt Schnee.
Echizen der Schnee auf hohen Gipfeln ist nun geschmolzen. Auf dem Kiyotaki-Flug schneeweiß des Wassers Wellen.
Der Mönch Saigyö
heute morgen, auf den Freund hat es gewartet; das so einsame Bergdorf, im Schnee zur Abendstunde.
Der Mönch Jakuren die Armel abzuschütteln kein Schutzdach gibt es. An der Fähre von Sano, beim Schnee zur Abenddämmrung.
Fujiwara Sada'ie besucht man und blickt hinaus: In leuchtendem Weiß des Fujis hoher Gipfel, wo noch und noch fällt der Schnee.
Yamabe Akanito der Füße Spur drückt' ich ein beim Hinausgehen. Hat ihn wohl jemand besucht? werden andre sich wundern.
Erzbischof Ji'en nahm er heut morgen den Weg, der Wanderer – auf seinem Hut weiß leuchtend häuft sich und häuft sich der Schnee.
Minamoto Tsunenobu brachen wir auf ins Weite, unvergesslich bleibt's. über der Hauptstadt Berge der verblassende Frühmond.
Fujiwara Yoshitsune
möcht' ich ihn sehen, sonst nichts! In Kazuraki von des Takama-Berges Gipfel den weißen Schnee
Unbekannter Dichter
heut morgen gefallne Schnee Kühle verbreitet, so doppelt grausam nunmehr erscheint mir der Geliebte.
Minamoto Shigeyuki Mir träumt', ich ruhte wieder Vor meines Vaters Haus Und schaute fröhlich nieder In's alte Tal hinaus, Die Luft mit lindem Spielen Ging durch das Frühlingslaub, Und Blüten-Flocken fielen Mir über Brust und Haupt.
Als ich erwacht, da schimmert Der Mond vom Waldesrand, Im falben Scheine flimmert Um mich ein fremdes Land, Und wie ich ringsher sehe: Die Flocken waren Eis, Die Gegend war vom Schneee, Mein Haar vom Alter weiß.
J. von Eichendorff
Du spürst nicht dass der Schnee der Jahre in dein Haar fällt und merkst nicht wie die Sonne deinen Weg verbrennt
Im Licht schwimmst du hinaus ins Meer verstehst dich mit Delphinen und merkst nicht das das Wasser finster wird
Kommst zurück zur Erde die du liebst und merkst nicht dass sie weggewandert ist und du an ihrem Rand stehst
Du steigst hinauf zum schneebestirnten Gipfel bewunderst das Panorama unten das grüne Tal und merkst nicht dass ein Grab geschaufelt wird
R. Ausländer
Der Morgen steckt mit kalter Hand Turm um Turm in die Erde zurück, reist das Tuch auf, unter dem du lagst, warm und geborgen, schneidet dich aus mit blankem Messer.
Entblösst, verletzt, entstellt, wirft dich der Spiegel zurück.
Alles, was dein war, Traum und Hoffnung, dein Leben zu tauschen, der Plan es zu ändern, blieb zwischen den Fäden des nächtlichen Tuchs.
Fröstelnd gehst du hinaus ins Graue, die Mauern entlang.
Wände, Wände und keine Tür, die dir offen stünde. Die Fenster sind alle verschlossen, verhängt.
Da fallen Strähnen auf deinen Weg, Flocken, Locken, van weither geweht, berühren dein Haar, dein Knie, deinen Schuh.
Du trittst darauf, auf Chrysanthemen, verscharrtes Laub, zerfetzte Schleier, ein Schneegesicht.
Auf dem Platz der Freiheit springt die Fontäne nicht mehr. Im Brunnengrund atmet der Himmel noch einmal, bevor er zu Eis wird, Figur und Blume.
W. Bächler
Die Singvögel sind entkommen. Die Lastkähne froren ein, bevor sie das Meer erreichten. Der Fluss steht still in den Dämmen.
Vom Gartenbeet schaufelt ein Kind den Schnee. »Suchst du Blumen?« »Die Blumen sind tot. Ich mache ein Bett für den Wind!«
Die Mutter mästet das Feuer. Im eisernen Käfig, zum Haustier gezähmt, frisst es ihr aus der Hand.
Der Rauch stösst vergebens nach oben. Der Himmel lässt ihn nicht ein.
Im Garten hat sich der Wind gelegt. Er zieht den Schnee bis ans Kinn und verbirgt sein Gesicht unter ruhigen Strähnen.
Die Spatzen fliegen aus seiner Hand unversehrt zu den Tauben aufs Dach. Wir decken den Tisch für die Raben.
Zwei Schreinergesellen haben den Brunnen in Bretter gehüllt und vernagelt. affen beugt sich ein Mund darüber, der seine Sprache verlor. In den Augen vereisen die Tränen.
W. Bächler
Da sind nur Winterschneisen und die Hieroglyphen in der schwarzen Äste vor der Wolken Wand des Himmels, nackt wie dein Denken diesen Nachmittag, die Schrift der Wildspur und der Vogelkrallen.
Du trittst in ihre ungelösten Rätsel ein, durchkreuzt die Linien, störst die Kreise, ziehst Tangenten, einen plumpen Strich durch deine Leere, die sich vor dir dehnt, versuchst die Bilder zu addieren. Doch sie verweigern dir die Summe, bleiben isoliert wie du ' in diesem weissen Raum.
Du spielst mit einem Zapfen abgebrochnen Eises, mit dem Schorf vernarbter Wunden, ballst den Schnee ohnmächtig in der Faust zu harten Kugeln und lässt ihn schmelzen, um dir zu beweisen, dass du noch etwas Wärme in dir hast.
W. Bächler Helmut hört zur Weihnachtszeit Kinder alle = seid bereit = und wollen wir auch einsam sein. und lässt das liebe Englein rein. so weis wie auch die Flüglein sind.« ist auch der Schnee du liebes Kind.
Ernst Herbeck
weiss ist der Schnee. Weiss ist das Eiweiss weiss ist der Tote nicht. weiss sind die Karpfen. weiss ist der Anzug. weiss sind die Blumen. weiss ist der Ton der Farbe. Weiss sind die Russen. weiss ist schön. weiss sind die Fische weiss bleierne Eier. weiss sind die bleiernen Eier weiss ist sehr gut. so manches Ei ist weiss weiss ist nicht schwarz. weiss ist nicht hell. weiss ist auch nicht blau. weiss ist der Himmel.
Ernst Herbeck
Der Winter liegt im Bette gar und hüllt sich in Schnee und Eis Er friert in der Hand und macht weiss das ganze Land. Er dauert die Zeit über Jänner und Fasching weit. Der Winter schneit und der Wind und der Wind erzählt es breit.
Ernst Herbeck
Erst sah ich weiße Fahnen Hilde Domin
Wenn die Augen brechen, Wenn die Lippen nicht mehr sprechen, Wenn das pochende Herz sich stillet Und der warme Blutstrom nicht mehr quillet: O dann sinkt der Traum zum Spiegel nieder, Und ich hör' der Engel Lieder wieder, Die das Leben mir vorüber trugen, Die so selig mit den Flügeln schlugen Ans Geläut der keuschen Maiesglocken, Daß sie all die Vöglein in den Tempel locken, Die so süße wildentbrannte Psalmen sangen: Daß die Liebe und die Lust so brünstig rangen, Bis das Leben war gefangen und empfangen; Bis die Blumen blühten; Bis die Früchte glühten, Und gereift zum Schoß der Erde fielen, Rund und bunt zum Spielen; Bis die goldnen Blätter an der Erde rauschten, Und die Wintersterne sinnend lauschten, Wo der stürmende Sämann hin sie säet, Daß ein neuer Frühling schön erstehet. Stille wird's, es glänzt der Schnee am Hügel Und ich kühl' im Silberreif den schwülen Flügel, Möcht' ihn hin nach neuem Frühling zücken, Da erstarret mich ein kalt Entzücken – Es erfriert mein Herz, ein See voll Wonne Auf ihm gleitet still der Mond und sanft die Sonne Unter den sinnenden, denkenden, klugen Sternen Schau' ich mein Sternbild an in Himmelsfernen; Alle Leiden sind Freuden, alle Schmerzen scherzen Und das ganze Leben singt aus meinem Herzen: Süßer Tod, süßer Tod Zwischen dem Morgen- und Abendrot. [Brentano: Schwanenlied. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 284
Hüllt der Frost den Kreis der Erden In ein Kleid, das Silber-weiß, Wenn recht als begraben werden Feld und Land in Schnee und Eis; Sucht der Mond, mit blassen Strahlen, Auch die Schatten weiß zu malen, Und sein kühler Silber-Schein Scheint dem Winter gleich zu seyn. [Brockes: Die Sonne. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 338
Ich sahe mit betrachtendem Gemüte Jüngst einen Kirsch-Baum, welcher blüh'te, In küler Nacht beym Monden-Schein; Ich glaubt', es könne nichts von gröss'rer Weisse seyn. Es schien, ob wär' ein Schnee gefallen. Ein jeder, auch der klein'ste Ast Trug gleichsam eine rechte Last Von zierlich-weissen runden Ballen. Es ist kein Schwan so weiß, da nemlich jedes Blat, Indem daselbst des Mondes sanftes Licht Selbst durch die zarten Blätter bricht, So gar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat. Unmöglich, dacht' ich, kann auf Erden Was weissers ausgefunden werden. Indem ich nun bald hin bald her Im Schatten dieses Baumes gehe: Sah' ich von ungefehr Durch alle Bluhmen in die Höhe Und ward noch einen weissern Schein, Der tausend mal so weiß, der tausend mal so klar, Fast halb darob erstaunt, gewahr. Der Blühte Schnee schien schwarz zu seyn Bey diesem weissen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht Von einem hellen Stern ein weisses Licht, Das mir recht in die Sele stral'te. Wie sehr ich mich an GOtt im Irdischen ergetze, Dacht' ich, hat Er dennoch weit grös're Schätze. Die gröste Schönheit dieser Erden Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden. [Brockes: Kirsch-Blühte bey der Nacht. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 358
Die Wolken ziehn, wie Trauergäste, Den Mond still – abwärts zu geleiten; Der Wind durchfegt die starren Äste, Und sucht ein Blatt aus beßren Zeiten.
Schon flattern in der Luft die Raben, Des Winters unheilvolle Boten; Bald wird er tief in Schnee begraben Die Erde, seinen großen Toten.
Ein Bach läuft hastig mir zur Seite, Es bangt ihn vor des Eises Ketten; Drum stürzt er fort und sucht das Weite, Als könnt' ihm Flucht das Leben retten.
Da mocht' ich länger nicht inmitten So todesnaher Öde weilen; Es trieb mich fort, mit hast'gen Schritten Dem flücht'gen Bache nachzueilen. [Fontane: Herbstmorgen. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 708
Auf blinkenden Gefilden Ringsum nur Eis und Schnee, Verstummt der Trieb zu bilden. Kein Sänger in der Höh. Kein Strauch, der Labung böte, Kein Sonnenstrahl, der frei, Und nur des Nordlichts Röte Zeigt wüst die Wüstenei.
So siehts in einem Innern, So stehts in einer Brust, Erstorben die Gefühle, Des Grünens frische Lust. Nur schimmernde Ideen, Im Kalten angefacht, Erheben sich, entstehen Und schwinden in die Nacht. [Grillparzer: Tristia ex Ponto. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 1137
Schneeglöckchen, ei, du bist schon da? Ist denn der Frühling schon so nah? Wer lockte dich hervor ans Licht? Trau' doch dem Sonnenscheine nicht! Wohl gut er's eben heute meint, Wer weiß, ob er dir morgen scheint?
»Ich warte nicht, bis Alles grün; Wenn meine Zeit ist, muß ich blüh'n. Der mich erschuf für diese Welt, Heißt blüh'n mich, wann es ihm gefällt; Er denkt bei Schnee und Kälte mein, Wird stets mein lieber Vater sein.« [Hoffmann von Fallersleben: Schneeglöckchen. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 1712
Wie nun alles stirbt und endet Und das letzte Rosenblatt Müd sich an die Erde wendet, In die warme Ruhestatt: So auch unser Tun und Lassen, Was uns heiß und wild erregt, Unser Lieben, unser Hassen Sei ins welke Laub gelegt!
Reiner, weißer Schnee, o schneie, Schneie beide Gräber zu, Daß die Seele uns gedeihe Still und kühl in Winterruh! Bald kommt jene Frühlingswende, Die allein die Liebe weckt, Wo der Haß umsonst die Hände Träumend aus dem Grabe streckt! [Keller: Erster Schnee. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 2172
Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt, Still und blendend lag der weiße Schnee, Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt, Keine Welle schlug im starren See.
Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf, Bis sein Wipfel in dem Eis gefror; An den Ästen klomm die Nix herauf, Schaute durch das grüne Eis empor.
Auf dem dünnen Glase stand ich da, Das die schwarze Tiefe von mir schied; Dicht ich unter meinen Füßen sah Ihre weiße Schönheit Glied für Glied.
Mit ersticktem Jammer tastet' sie An der harten Decke her und hin. Ich vergeß das dunkle Antlitz nie, Immer, immer liegt es mir im Sinn! [Keller: Winternacht. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 2212
Komm Zama, komm! Laß deinen Unmuth fahren, O du der Preis Der Schönen! komm! In den zerstörten Haaren Hängt mir schon Eis.
Du zürnst umsonst. Mir giebt die Liebe Flügel, Nichts hält mich auf. Kein tiefer Schnee, kein Sumpf, kein Thal, kein Hügel Hemmt meinen Lauf.
Ich will im Wald auf hohe Bäume klimmen Dich auszuspähn, Und durch die Fluth der tiefsten Ströhme schwimmen, Um dich zu sehn.
Das dürre Laub will ich vom Strauche pflücken, Der dich verdeckt, Und auf der Wies' ein iedes Rohr zerknicken, Das dich versteckt.
Und solltest du, weit übers Meer, in Wüsten Verborgen seyn; So will ich bald an Grönlands weißen Küsten, Nach Zama schreyn. Die lange Nacht kommt schon. Still mein Verlangen Und eil zurück! Du kommst, mein Licht! du kommst, mich zu umfangen; O, welch ein Glück! [Kleist: Lied eines Lappländers. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 2290
Heute scheid' ich, heute wandr' ich, Keine Seele weint um mich. Sind's nicht diese, sind's doch andre, Die da trauern, wenn ich wandre: Holder Schatz, ich denk' an dich.
Auf dem Bachstrom hängen Weiden, In den Tälern liegt der Schnee – Trautes Kind, daß ich muß scheiden, Muß nun unsre Heimat meiden, Tief im Herzen tut mir's weh.
Hunderttausend Kugeln pfeifen Über meinem Haupte hin – Wo ich fall', scharrt man mich nieder, Ohne Klang und ohne Lieder, Niemand fraget, wer ich bin.
Du allein wirst um mich weinen, Siehst du meinen Totenschein. Trautes Kind, sollt' er erscheinen, Tu' im Stillen um mich weinen, Und gedenk' auch immer mein. [Müller: Soldatenabschied. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 2856
Wenn der Schnee ans Fenster fällt, Lang die Abendglocke läutet, Vielen ist der Tisch bereitet Und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden. Golden blüht der Baum der Gnaden Aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein; Schmerz versteinerte die Schwelle. Da erglänzt in reiner Helle Auf dem Tische Brot und Wein. [Trakl: Ein Winterabend. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 3875 Das ist das Haus am schwarzen Moor
Das ist das Haus am schwarzen Moor! Wer dort im letzten Winter fror, Der friert dort nicht in diesem Jahr – Er sank schon längst auf die Totenbahr.
Das ist das Haus am schwarzen Moor, Das Haus, wo der alte Jan erfror. Zur Tür gewandt das weiße Gesicht, Starb er und wußt es selber nicht.
Er starb. – Da kam, wie ein scheues Reh, Der Tag und hüpfte über den Schnee. »Guten Morgen, Jan! Guten Morgen, Jan!« – Der Jan keine Antwort geben kann.
Da erhuben die Glocken ihr hell Geläut, Sie sangen und klangen und riefen so weit: »Guten Morgen, Jan! Guten Morgen, Jan!« – Der Jan keine Antwort geben kann.
Da kamen die Kinder aus der Stadt: »Wir wissen, wie lieb er uns alle hat; Guten Morgen, Jan! Guten Morgen, Jan!« – Der Jan keine Antwort geben kann. Tag, Glocken und Kinder er nicht verstund. Da nahte die sonnige Mittagsstund, Da nahte ein armes Weib: »Mein Jan, Willst essen und trinken nicht, alter Mann?
Sieh, was ich brachte dir aus der Stadt; Sollst froh nun werden und warm und satt!« – Die Alte sah lange auf ihren Jan, Da fing sie bitter zu weinen an.
Da weinte sie an dem schwarzen Moor, Am Moor, wo der alte Jan erfror; Da weinte sie ihr brennend Weh Hinunter in den kalten Schnee. [Weerth: Lieder aus Lancashire. DB Sonderband: 1001 Gedichte, S. 4067
Im Nebelgeriesel, im tiefen Schnee, Im wilden Wald, in der Winternacht, Ich hörte der Wölfe Hungergeheul, Ich' hörte der Eulen Geschrei: Wille wau wau wau! Wille wo wo wo! Wito hu!
Ich schoß einmal eine Katz am Zaun, Der Anne, der Hex, ihre schwarze, liebe Katz; Da kamen des Nachts sieben Werwölf zu mir, Waren sieben, sieben Weiber vom Dorf. Wille wau wau wau! Wille wo wo wo! Wito hu!
Ich kannte sie all, ich kannte sie wohl, Die Anne, die Ursel, die Käth, Die Liese, die Barbe, die Ev, die Beth; Sie heulten im Kreise mich an. Wille wau wau wau! Wille wo wo wo! Wito hu! [Goethe: Gedichte (Ausgabe letzter Hand. 1827). Goethe: Werke, S. 263 Klaggesang von der edlen Frauen des Asan Aga
Aus dem Morlackischen
Was ist Weißes dort am grünen Walde? Ist es Schnee wohl, oder sind es Schwäne? Wär es Schnee, er wäre weggeschmolzen; Wären's Schwäne, wären weggeflogen. Ist kein Schnee nicht, es sind keine Schwäne, 's ist der Glanz der Zelten Asan Aga. Nieder liegt er drin an seiner Wunde. Ihn besucht die Mutter und die Schwester; Schamhaft säumt sein Weib, zu ihm zu kommen.
Als nun seine Wunde linder wurde, Ließ er seinem treuen Weibe sagen: »Harre mein nicht mehr an meinem Hofe, Nicht am Hofe und nicht bei den Meinen.«
Als die Frau dies harte Wort vernommen, Stand die Treue starr und voller Schmerzen, Hört der Pferde Stampfen vor der Türe, Und es deucht ihr, Asan käm, ihr Gatte, Springt zum Turme, sich herabzustürzen. Ängstlich folgen ihr zwei liebe Töchter, Rufen nach ihr, weinend bittre Tränen: »Sind nicht unsers Vaters Asan Rosse, Ist dein Bruder Pintorowich kommen!«
Und es kehret die Gemahlin Asans, Schlingt die Arme jammernd um den Bruder: »Sieh die Schmach, o Bruder, deiner Schwester! Mich verstoßen, Mutter dieser fünfe!«
Schweigt der Bruder, ziehet aus der Tasche, Eingehüllet in hochrote Seide, Ausgefertiget den Brief der Scheidung, Daß sie kehre zu der Mutter Wohnung, Frei, sich einem andern zu ergeben.
Als die Frau den Trauerscheidbrief sahe, Küßte sie der beiden Knaben Stirne, Küßt' die Wangen ihrer beiden Mädchen. Aber ach! vom Säugling in der Wiege Kann sie sich im bittern Schmerz nicht reißen!
Reißt sie los der ungestüme Bruder, Hebt sie auf das muntre Roß behende, Und so eilt er mit der bangen Frauen Grad nach seines Vaters hoher Wohnung.
Kurze Zeit war's, noch nicht sieben Tage; Kurze Zeit gnug; von viel großen Herren Unsre Frau in ihrer Witwentrauer, Unsre Frau zum Weib begehret wurde.
Und der größte war Imoskis Kadi; Und die Frau bat weinend ihren Bruder: »Ich beschwöre dich bei deinem Leben, Gib mich keinem andern mehr zur Frauen, Daß das Wiedersehen meiner lieben Armen Kinder mir das Herz nicht breche!«
Ihre Reden achtet nicht der Bruder, Fest, Imoskis Kadi sie zu trauen. Doch die Gute bittet ihn unendlich: »Schicke wenigstens ein Blatt, o Bruder, Mit den Worten zu Imoskis Kadi: Dich begrüßt die junge Wittib freundlich Und läßt durch dies Blatt dich höchlich bitten, Daß, wenn dich die Suaten herbegleiten, Du mir einen langen Schleier bringest, Daß ich mich vor Asans Haus verhülle, Meine lieben Waisen nicht erblicke.«
Kaum ersah der Kadi dieses Schreiben, Als er seine Suaten alle sammelt Und zum Wege nach der Braut sich rüstet, Mit den Schleier, den sie heischte, tragend.
Glücklich kamen sie zur Fürstin Hause, Glücklich sie mit ihr vom Hause wieder. Aber als sie Asans Wohnung nahten, Sahn die Kinder obenab die Mutter, Riefen: »Komm zu deiner Halle wieder! Iß das Abendbrot mit deinen Kindern!« Traurig hört' es die Gemahlin Asans, Kehrete sich zu der Suaten Fürsten: »Laß doch, laß die Suaten und die Pferde Halten wenig vor der Lieben Türe, Daß ich meine Kleinen noch beschenke.«
Und sie hielten vor der Lieben Türe, Und den armen Kindern gab sie Gaben; Gab den Knaben goldgestickte Stiefel, Gab den Mädchen lange, reiche Kleider, Und dem Säugling, hülflos in der Wiege, Gab sie für die Zukunft auch ein Röckchen.
Das beiseit sah Vater Asan Aga, Rief gar traurig seinen lieben Kindern: »Kehrt zu mir, ihr lieben armen Kleinen; Eurer Mutter Brust ist Eisen worden, Fest verschlossen, kann nicht Mitleid fühlen.«
Wie das hörte die Gemahlin Asans, Stürzt' sie bleich, den Boden schütternd, nieder, Und die Seel entfloh dem bangen Busen, Als sie ihre Kinder vor sich fliehn sah.
[Goethe: Gedichte (Ausgabe letzter Hand. 1827). Goethe: Werke, S. 615
Es ist ein Schnee gefallen, Denn es ist noch nicht Zeit, Daß von den Blümlein allen, Daß von den Blümlein allen Wir werden hoch erfreut.
Der Sonnenblick betrüget Mit mildem, falschem Schein, Die Schwalbe selber lüget, Die Schwalbe selber lüget, Warum? Sie kommt allein!
Sollt ich mich einzeln freuen, Wenn auch der Frühling nah? Doch kommen wir zu zweien, Doch kommen wir zu zweien, Gleich ist der Sommer da. [Goethe: Gedichte (Ausgabe letzter Hand. 1827). Goethe: Werke, S. 951 Im Norden auf kahler Höh'. Ihn schläfert; mit weißer Decke Umhüllen ihn Eis und Schnee.
Er träumt von einer Palme, Die, fern im Morgenland, Einsam und schweigend trauert Auf brennender Felsenwand. [Heine: Buch der Lieder. Heine: Werke, S. 1225
Hörst du fern die Winde schrillen, Siehst, wie oben stumme Wolken Sich in Nebeldecken hüllen;
Siehst, wie unten ausgestorben Wald und Flur, wie kahl geschoren; – Um dich Winter, in dir Winter, Und dein Herz ist eingefroren.
Plötzlich fallen auf dich nieder Weiße Flocken, und verdrossen Meinst du schon, mit Schneegestöber Hab der Baum dich übergossen.
Doch es ist kein Schneegestöber, Merkst es bald mit freud'gem Schrecken; Duft'ge Frühlingsblüten sind es, Die dich necken und bedecken.
Welch ein schauersüßer Zauber! Winter wandelt sich in Maie, Schnee verwandelt sich in Blüten, Und dein Herz, es liebt aufs neue. [Heine: Neue Gedichte. Heine: Werke, S. 1466
Schaust du diese Bergesgipfel Aus der Fern', so strahlen sie, Wie geschmückt mit Gold und Purpur, Fürstlich stolz im Sonnenglanze.
Aber in der Nähe schwindet Diese Pracht, und wie bei andern Irdischen Erhabenheiten Täuschten dich die Lichteffekte.
Was dir Gold und Purpur dünkte, Ach, das ist nur eitel Schnee, Eitel Schnee, der blöd und kläglich In der Einsamkeit sich langweilt.
Oben in der Nähe hört ich, Wie der arme Schnee geknistert, Und den fühllos kalten Winden All sein weißes Elend klagte.
»Oh, wie langsam« – seufzt' er – »schleichen In der Öde hier die Stunden! Diese Stunden ohne Ende, Wie gefrorne Ewigkeiten!
Oh, ich armer Schnee! Oh, wär ich, Statt auf diese Bergeshöhen, Wär ich doch ins Tal gefallen, In das Tal, wo Blumen blühen!
Hingeschmolzen wär ich dann Als ein Bächlein, und des Dorfes Schönstes Mädchen wüsche lächelnd Ihr Gesicht mit meiner Welle.
Ja, ich wär vielleicht geschwommen Bis ins Meer, wo ich zur Perle Werden konnte, um am Ende Eine Königskron' zu zieren!«
Als ich diese Reden hörte, Sprach ich: »Liebster Schnee, ich zweifle, Daß im Tale solch ein glänzend Schicksal dich erwartet hätte.
Tröste dich. Nur wen'ge unten Werden Perlen, und du fielest Dort vielleicht in eine Pfütze, Und ein Dreck wärst du geworden!«
Während ich in solcher Weise Mit dem Schnee Gespräche führte, Fiel ein Schuß, und aus den Lüften Stürzt' herab ein brauner Geier.
Späßchen war's von dem Laskaro, Jägerspäßchen. Doch sein Antlitz Blieb wie immer starr und ernsthaft. Nur der Lauf der Flinte rauchte.
Eine Feder riß er schweigend Aus dem Steiß des Vogels, steckte Sie auf seinen spitzen Filzhut, Und er schritt des Weges weiter.
Schier unheimlich war der Anblick, Wie sein Schatten mit der Feder Auf dem weißen Schnee der Koppen, Schwarz und lang, sich hinbewegte.
[Heine: Atta Troll. Heine: Werke, S. 2235
Ich fuhr mit den freunden über den see Der abend neigte sich In dicken flocken flog der schnee Und langsam unser nachen Die dunkle flut durchstrich.
Die nebel verhüllten rings das land Kein schein vom himmel schaut Und von dörfern am strand Erklingen die ave-glocken Mit traurig gedämpftem laut.
Die küste beendet unsren lauf Wir landen und steigen aus Wir gehen zum kleinen ort hinauf .. Kein mensch lässt sich erblicken Und stumm steht jedes haus.
Wir kommen an der kirche vorbei Die türe verschloss nicht ganz – Es tönte darinnen wie litanei .. Wir treten ein in der frommen kreise Die mütter beten den rosenkranz. Die freunde lachen – wir eilen fort. Die zeit ist um! das dunkel droht! Doch mich verlezt ihr spottend wort Bin ich auch nicht viel besser selber – Ich steige sinnend in das boot. [Stefan George: Die Fibel. Auswahl Erster Verse. Stefan George: Gesamtausgabe der Werke, S. 77
Hoch oberhalb der weiher und der ähren Der wälder und der berge und der see · Jenseits von wolken und von ewigem schnee · Jenseits der grenzen der gestirnten sfären ·
Dort regst du dich in freiheit · meine brust! Und wie sich schwimmer in den wellen breiten So ziehst du durch die unermesslichkeiten Mit männlicher unsagbar grosser lust.
Flieh weit aus dieser kranken dünste giften · In einem höhern luftraum werde rein Und trink wie einen himmlisch echten wein Das klare feuer in den lichten triften!
Los von dem kummer von der grossen qual – Des nebeldüstern daseins lästge zügel – Wie ist der glücklich der mit starkem flügel Entschweben kann ins stille heitre tal!
Der dess gedanken auf der lerche schwinge Emporgetragen werden in der früh ... Er fasst die welt und deutet ohne müh Der blumen sprache und der stummen dinge.
[Stefan George: Baudelaire. Die Blumen des Bösen. Stefan George: Gesamtausgabe der Werke, S. 1427
Dein auge erscheint wie umschleiert von dunstigem tau Geheimnisvoll (ist es blau oder grün oder grau?) Das wechselnd grausam · träumerisch oder verliebt Die gleichmut und blässe des himmels wiedergibt.
Du bist wie die tage weiss und lau und verhüllt Wo sich das bezauberte herz mit tränen erfüllt Wenn von dem wehe das unbekannt in ihnen kreist Zu wache nerven verspotten den schläfrigen geist.
Zuweilen bist du den schönen wolken verwandt Wenn sie die sonne der nebligen zeiten entbrannt .. Wie wirfst du dann deinen schimmer – gefeuchtete welt Von eines getrübten himmels strahlen erhellt!
O werd ich – gefährliche frau und verführende luft – So lieben euren schnee und nebligen duft Und nehme ich aus dem himmel trostlos und kahl Vergnügen die stechender sind als eis oder stahl?
[Stefan George: Baudelaire. Die Blumen des Bösen. Stefan George: Gesamtausgabe der Werke, S. 1484
Da und dorten schon Hebt sich aus dem weißen Schnee Abendlicher Rauch
Takakuwa Ranko
Einem, der ihn brach, schenkt er dennoch seinen Duft – Pflaumenbütenzweig!
Frau kaga no chiyo
Neujahrstag ist heut! Wer mir heut den Schnee zertritt, soll willkommen sein!
Yokoi Yayu Wintermorgenschnee – Selbst die Krähe, sonst verhasst, heute ist sie schön!
Matsuo Basho
Dans l’interminable Ennui de la plaine La neige incertaine Luit comme du sable
Le ciel est de cuivre Sans lueur aucune. On croirait voir vivre Et mourir la lune.
Comme des nuées Flottent gris les chênes Des forêts prochaines Parmi les buées.
Le ciel est de cuivre Sans lueur aucune. On croirait voir vivre Et mourir la lune. Corneille poussive Et vous, les loups maigres, Par ces bises aigres Quoi donc vous arrive ?
Dans l’interminable Ennui de la plaine La neige incertaine Luit comme du sable
P. Verlaine
Surprendre en silence la ville endormie Portant la formule du froid El le ciel muet, Léchers des fils tendus, des branches Sèches, Se poser, se défaire, se fondre, Sans bruit ni vent, Descendre blanche inattendue, Sans poids recouvrir La route, la banc, le maison.
Fabio Pusterla Les choses sans histoire Le cose senza storia (traduit par Mathilde Visscher)
Neige d'octobre vole avec son ombre, Nuée de novembre à l'aube rend l'âme, Blanche de décembre fait briller la cendre, À neige de janvier rouge tablier. Grandit notre cœur au givre des rois, La Licorne blanche, de fureur s'abat !
R. Char
poèmes de Paul Eluard
1. De grandes cuilliers de neige De grandes cuilliers de neige Ramassent nos pieds glacés Et d'une dure parole Nous heurtons l'hiver têtu Chaque arbre a sa place en l'air Chaque roc son poids sur terre Chaque ruisseau son eau vive Nous avons pas de feu.
2. La bonne neige La bonne neige le ciel noir Les branches mortes la détresse De la forêt pleine de pièges Honte à la bête pourchassée La fuite en flêche dans le coeur
Les traces d'une proie atroce Hardi au loup et c'est toujours Le plus beau loup et c'est toujours Le dernier vivant que menace La masse absolue de la mort
3. Bois meurtri Bois meurtri bois perdu d'un voyage en hiver Navire où la neige prend pied Bois d'asile bois mort où sans espoir je rêve De la mer aux miroirs crevés Un grand moment d'eau froide a saisi les noyés La foule de mon corps en souffre Je m'affaiblis je me disperse J'avoue ma vie j'avoue ma mort j'avoue autrui.
4. La nuit le froid la solitude La nuit le froid la solitude On m'enferma soigneusement Mais les branches cherchaient leur voie dans la prison Autour de moi l'herbe trouva le ciel On verrouilla le ciel Ma prison s'écroula Le froid vivant le froid brûlant l'eut bien en main.
Il neige, il neige sur Liège Et la neige sur Liège pour neiger met des gants Il neige, il neige sur Liège Croissant noir de la Meuse sur le front d'un clown blanc Il est brisé le cri Des heures et des oiseaux Des enfants à cerceaux Et du noir et du gris Il neige, il neige sur Liège Que le fleuve traverse sans bruit
Il neige, il neige sur Liège Et tant tourne la neige Entre le ciel et Liège Qu'on ne sait plus s'il neige S'jl neige sur Liège Ou si c'est Liège qui neige vers le ciel Et la neige marie Les amants débutants Les amants promenant Sur le carré blanchi Il neige, il neige sur Liège Que le fleuve transporte sans bruit
Ce soir, ce soir il neige Sur mes rêves et sur Liège Que le fleuve transperce sans bruit 1965 gezongen J. Brel
SNEEUW OP LUIK De sneeuw valt de sneeuw valt op Luik En de sneeuw zet een pruik zet een pruik op straat De sneeuw valt de sneeuw valt op Luik zwarte maansikkel Maas in een doodsbleek gelaat nu is dof het gekrijs van de twintigste eeuw van een hongerige meeuw van het zwart en het grijs de sneeuw valt de sneeuw valt op Luik de rivier maakt haar zwijgende reis
de sneeuw valt de sneeuw valt op Luik en zo wervelt de sneeuw tussen de lucht en Luik dat je niet ziet valt de sneeuw valt de sneeuw nu op Luik of sneeuwt Luik nu sneeuwt Luik naar de nacht onderdrukt is de geeuw van geliefden op straat van geliefden zo laat in een doosje vol sneeuw de sneeuw valt de sneeuw valt op Luik en de Maas neemt de stad mee op reis
het sneeuwt het sneeuwt vanavond op mijn buik en op Luik en de stad neemt de Maas mee op reis
Benno Barnard Dans la dernière auberge sur la montagne Où la glace et la neige sont éternelles, Je reposais une nuit à bout de forces, Car là l'hiver devait me protéger Contre le mal dont le printemps est complice. Là un songe allait chercher des fleurs traîtresses, Dans un printemps lointain que je croyais perdu, Il ouvrit ses bras, elles neigèrent sur les neiges; La plaine glacée et blanche devint rose Et resta rose une longue nuit d'hiver.
J. SLAUERHOFF 39 Der Schnee verwandelt die Welt in einen Friedhof. Aber die Welt war bereits ein Friedhof, und der Schnee kam nur, um es bekannt zu machen.
Der Schnee kam nur, um mit seinem gliederlosen, dünnen Finger auf den wahren und aufsehenerregenden Darsteller zu zeigen.
Der Schnee ist ein gefallener Engel, ein Engel, der die Geduld verlor.
39 La nieve ha convertido al llundo en cellenterio. Pero el llundo ya era un cellenterio y la nieve sólo ha venido a publicarlo.
La nieve sólo ha venido a seiialar, con su delgado dedo sin ariiculaciones, al verdadero y escandaloso protagonista.
La nieve es un ángel caido, un ángel que ha perdido la paciencia.
Roberto Juarroz - Vertikale Poesie
sneeuw (Nieve) ¿Dónde se han escondido los colores en este dia negro y blanco? La fronda, negra; el agua, gris; el cielo y la tierra, de un blanquinegro pálido; y la ciudad doliente una vieja aguafuerte de romántico.
El que camina, negro; negro el medroso pájaro que atraviesa el jardin como una flecha ... Rasta el silencio es duro y despintado.
La tarde cae. El cielo no tiene ni un dulzor. En el ocaso, un vago amarillor casi esplendente, que casi no lo es. Lejos, el campo de hierro seco. Y entra la noche, como un entierro; enlutado y frío todo, sin estrellas, blanca y negra, como el día negro y blanco.
J.R. Jiménez
WINTER SCENE (Snow) Where have the colors all gone to today, that is so black and white? The leaves black, the water gray, the sky and the ground a sort of faded white and black, and the mournful city is like an old steel engraving by some roman tic.
The man who is walking is black, the startled bird is black shooting across the garden like an arrow . . . Even the silence is harsh and faded.
Dusk falls. There is nothing gentle about the sky. In the west, an indecisive yellow light that almost glitters and almost doesn't. Over there, fields like dry iron. And the night comes, like a burial; it is all wrapped in black and cold, no stars, all white and black, like the black and white day.
J.R. Jiménez
Der Winter wiegt in Weiss die Welt zutode. Vergehend fleht der Tag zum ersten Sterne Und fasst nach einem Zipfel seiner Ferne, Dass nicht die Nacht ihn aus der Erde rode.
Die Armen frieren bei versteintem Brode. Die kalte Hand gibt nichts und geigelt gerne, Dass der Verlassne auch das Schauern lerne, Denn Not und Furcht sind van der gleichen Mode.
Mit kranken Perlen aus der Kälte Zwang Will sich im Schlaf der schlichte Sinn beflittern. Und unten geht die Zeit mit lahmem Gang.
Doch während Greise nun in Siechtum zittern, Erhebt der Knabe sich im Überschwang Durch weisse Nacht zu Höhn und Ungewittern.
Albert Drach
An meinen Wangen brennt es heiß, auf meiner Lippe bebt es noch, weil ich mein Herz ihr übertrug zum Sprechen; alle Sprache war voll Irrtum und Befangenheit, ein Übermut, ein jäher Klang. So war mein Sprechen, ach, dies zeigt sich auf der roten Wange noch, die ich nach Hause trage jetzt. Ich senke meinen Blick zum Schnee und geh' vorbei an manchem Haus ,an mancher Hecke, manchem Baum, der Schnee ziert Hecke, Baum und Haus. Ich geh' vorbei, den Blick zum Schnee gesenkt, an meiner Wange ist nichts, als erinnerungsheißes Rot, mich mahnend an die wüste Sprach‘.
Norbert Walser
Ich fühle tausend Dinge, wenn ich an dich denke, Jesus. Heiß wird mir, denn dein Name ist ein verwirrender Kuß.
Du stehst noch immer im Schnee und starrst, was die Armen wollen, die Armen, die dir so weh getan haben sollen.
Das taten jedoch nicht sie, das Schauerliche deines Tods, jene Einsamen, nein, nie! Das tat ein betrunkener Trotz.
Das taten rohe Gesellen die an Verkommenheit reich. Die Armut hat mit den Quellen deines Bluts nichts gemein, nichts gleich.
Ich will unter Armut verstanden haben ein stilles Weh, Menschen, die außer den Banden, der Tat, hingestreut, weich, wie Schnee.
Und starrend licht wie derselbe, und Jesus sieht ihnen zu, noch heute, seine gelbe helle Haarwelle flattert ohne Ruh'.
Bisweilen kommt es dahin, daß Jesus noch einmal lacht, zärtlich, und mit wunderbarem Sinn und beruhigend wie eine Nacht.
Am Morgen sind dann im Schnee von ihm noch Fußstollen. Er gehört den Armen, die ihm so wehgetan haben sollen.
Norbert Walser
Der Schnee fällt nicht hinauf sondern nimmt seinen Lauf hinab und bleibt hier liegen, noch nie ist er gestiegen.
Er ist in jeder Weise in seinem Wesen leise, von Lautheit nicht die kleinste Spur. Glichest doch du ihm nur.
Das Ruhen und das Warten sind seiner üb'raus zarten Eigenheit eigen, er lebt im Sichhinunterneigen
Nie kehrt er dorthin je zurück, von wo er niederfiel, er geht nicht, hat kein Ziel, das Stillsein ist sein Glück.
Norbert Walser
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de Rijn - collage 30 x 40 cm
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canandanann 31-01-2012
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